Spiegelung am Obermarkt

Heute gibt es mal einen aktuellen Blick nach Freiberg….aktuell, weil es letzte Woche einiges dort zu erledigen gab. 
Am Obermarkt schaut man in Freiberg eigentlich immer vorbei…er ist das Zentrum und man kreuzt den Markt meistens mehrfach am Tag. Als ich dort am Donnerstag an einem der Bürgerhäuser der Renaissance-Zeit eine geöffnete Tür an einem der schönsten Portale sah, hab ich nicht lange gezögert….
So sieht es am Obermarkt 17 von innen aus. 
Für Lotta heute eine Spiegelung….das innere Portal ist durch eine Glastür abgetrennt und es spiegelt sich zufällig ganz klein der Glasbogen vom Eingangsportal.
Die Innenansicht in Richtung Eingangsportal mit Glasbogen
Hier ein Foto vom letztem Juni, dem Bergstadtfest 2016, mit Blick zum Haus Obermarkt 17
es ist das höchste Freiberger Bürgerhaus.
Dieses tolle Sandstein-Portal wurde schon mehrfach restauriert. Seit der 800-Jahrfeier 1986 wurde das Original des oberen Teils, das Tympanon (das obere Dreick), zum Schutz ins Stadt- und Bergbaumuseum geschafft und kann dort besichtigt werden. 
Man sieht es hier nicht so gut, aber auf dem Tympanon sind Bergleute bei der Arbeit  abgebildet.
Auf den Medaillons vermutet man Georg Lißkirchner, Erbauer des Hause und zweitreichster Bürger im Jahr 1546, mit seiner Frau.

Lost Places #8 – Porzelline Freiberg

Im Moment noch unter erschwerten Bedingungen im Netz, möchte ich aber trotzdem an der Tradition festhalten, jeden 20. im Monat die Lost Places zu posten.
Diesmal habe ich bei dem ersten Gebäude des Freiberger Porzellan, auch Porzelline genannt, vorbeigeschaut oder besser gesagt, bei dem, was noch übrig ist. Der größte Teil wurde 2011 abgerissen.
Das erste Porzellanwerk Freibergs wurde 1904 als Zweigniederlassung der Kahla AG gegründet. Die Stadtverwaltung unterstützte das Unternehmen, um die vielen freiwerdenenden Arbeitskräfte aus dem Bergbau unterzubringen.
Dafür wurde 1904-06 an der Frauensteines Straße ein moderner, architektonisch bemerkenswerter Industrieneubau mit sechs Rundöfen und einem eigenen Dampfkraftwerk errichtet. 
Vorne Mitte, heutiges Landratsamt, Ecke hinten heute ein Lost Place
Hier wurde zunächst elektrotechnisches Porzellan, wie Hochspannungsisolatoren, produziert und seit 1924 zusätzlich Haushaltsporzellan. Die Formen Mathilde, Toskana, Paula und Niemayer entstanden zwischen 1924 und 1929.
1932 wurde das Werk aufgrund der Weltwirtschaftskrise stillgelegt, was erhebliche soziale Auswirkungen auf die Stadt Freiberg hatte. Immerhin wurden zuletzt 770 Beschäftigte gezählt.
Von 1932 bis 1945 wurde kein Porzellan mehr in Freiberg gefertigt. Zur Neugründung 1945 zogen die Freiberger Porzellanwerke in das Gebäude der ehemaligen Hildebrandschen Werke, siehe Lost Places #7.
Dafür befand sich aber im Gebäude seit 1943 unter dem Tarnnamen Freia GmbH, ein Betriebsteil der Arado-Flugzeugwerke Potsdam-Babelsberg, das zu einem führenden Luftrüstungsunternehmen Deutschlands gehörte. Da hier etwa 6000 Arbeitskräfte fehlten, bekam die Freia GmbH ein Außenkommando des KZ Flossenbürg, das aus rund 1000 weiblichen, jüdischen Häftlingen bestand, die zu einem großen Teil aus Auschwitz/ Polen und der ehemaligen Tschechoslowakei kamen.
Mehr dazu u.a. auf der Webseite Juden in Mittelsachsen, Freiberg.
Der jüdische Werksleiter der Freiberger Porzellanwerke seit 1904 erhielt noch 1929 die Ehrendoktorwürde der Bergakademie. 1930 scheidet er aus dem Unternehmen aus, wird 1933 von der Ehrenliste gestrichen und begeht 1939 den Freitod. Seit 1996 erhielt das ehemalige Verwaltungsgebäude des heutigen, renovierten Landratsgebäudes eine Ehrentafel und er wurde wieder in die Ehrenliste aufgenommen. Seitdem ich vor ungefähr einem Jahr von der  Geschichte des Gebäudes erfuhr, bin ich doch sehr nachdenklich dort vorbeigelaufen. 
Das Gelände ist großräumig eingezäunt, so dass man nur aus der Ferne fotografieren kann. Hier die Rückansicht, total zugewachsen.
In einem Umbau mit Erweiterung wurden vor einiger Zeit moderne Loftwohnungen gebaut. 
Neues unmittelbar neben einer Ruine, die teilweise noch als Gewerbefläche genutzt wird. Das Eck ist noch recht gut erhalten. Preiswerte Gewerbeflächen…
So sah diese Ansicht 1913 aus…der Anbau ist höher geworden.
Der Lost Place befindet sich heute ca. ab dem Schornstein rechts, also das was man auf dem folgenden Bild von 1908 sieht.
Bilder und Angaben zur Geschichte aus dem Stadt- und Bergbaumuseum Freiberg,
Sonderausstellung ‚Weiße Diamanten‘
Ein wenig von dem Geschirr kann ich euch dann ein anderes mal zeigen…
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Ich hoffe, dass das falsche Telekom-Kabel im neuen Haus bald in Ordnung kommt und ich auch wieder eure Blogs besuchen kann. Es kann noch dauern…Verlinkung ab 20.08. , 6 Uhr, möglich. Eigentlich wollte ich den Beitrag planen, hab ihn nun aber schon abgeschickt…

Guerilla Gardening Freiberg

Inzwischen sind die Milchtütenpflanzen umgezogen zu meinem 12tel Blick an den Wernerplatz in Freiberg.
 Natürlich wäre es lustiger gewesen, sie mitsamt der Milchtüten aufzuhängen. Dann hätte ich sie allerdings regelmäßig gießen müssen. Da ich mich in Zukunft nicht mehr drum kümmern kann, werden sie alleine mit dem Wetter fertig werden müssen und ich hoffe, dass die Stadtgärtner nicht mit dem Rasenmäher rübergehen. 
Die Blumenwiese ist inzwischen sauber abgemäht.
Ausgerüstet mit einer Wasserflasche, Schaufel und den Milchtüten bin ich an einem der letzten Julitage zum Guerilla Gardener geworden…:-)
Vorne rechts ist die bunte Mini-Anpflanzung
Ich habe den restlichen Löwenzahn mitsamt der Wurzel entfernt und war froh, dass es die letzte Zeit so viel geregnet hat. Damit war die Anpflanzung für mich recht einfach. Auch die Erde rings um die Granitsäulen schien mir ganz ordentliche Gartenerde zu sein.
Dann nur noch ein paar Bindfäden gespannt…fertig.
Nur ein Busfahrer schaute mir verwundert zu….sonst schien es – zum Glück -niemand zu interessieren, was ich dort mache. 
Dort wachsen jetzt also an der völlig kahlen Säule ein paar aus dem Garten ausgegrabene Ringelblumen, die Prunkwinde und Kapuzinerkresse.
Die Prunkwinde hat sich nur zu Hause mit geöffneten Blüten gezeigt…sie blüht ganz herrlich lila.
Die restliche Bepflanzung wuchert so vor sich hin, ohne dass sich jemand drum zu kümmern scheint, dass die Drähte zum Hochranken teilweise fehlen.
Sei du selbst die Veränderung,
die du dir wünschst,
für diese Welt.

Mahatma Gandhi
Es fahren aber tatsächlich Busse dort, auch wenn sie nicht unbedingt im Focus stehen…
nur Menschen sind abends nicht mehr viele unterwegs.
Ich habe diesmal extra eine ganz ruhige Zeit gewählt…
Die 12tel Blicke sammelt Tabea

Bei mir zu Hause sieht die Prunkwinde schon etwas besser aus, denn sie war etwas eher gepflanzt worden….und sie darf mit umziehen…;-)

Lost Places #7 Pozellanwerk Freiberg

Seit 110 Jahren wird in Freiberg Porzellan hergestellt. Anlässlich dieses Jubiläums gibt es im Stadt- und Bergbaumuseum vom 2.7. – 30.10.2016 die Ausstellung ‚Weiße Diamanten‘. Bevor wir aber in diese Ausstellung gehen, schauen wir mal, wie es angefangen hat mit der Freiberger Porzellanherstellung.

Freiberg war, was viele vielleicht gar nicht wissen, an der Erfindung des europäischen Hartporzellans beteiligt.
‚Gottfried Pabst von Ohain, der Freiberger Oberzehntner und beste Hüttenfachmann Sachsens, beaufsichtigte im Auftrag von König August II. seit 1701 die Goldherstellungsversuche von Johann Friedrich Böttger.

‚Nachdem Pabst von Ohain die Unmöglichkeit eines Erfolges beschrieben hatte, wurden die Versuche unter Leitung von Ehrenfried Walther von Tschirnhaus und Abraham von Schönberg auf die Herstellung europäischen Porzellans aufgenommen. 
In Dresden entstand ein alchimistisches Laboratorium in dem unter Regie Pabst von Ohains Freiberger Hüttenleute gemeinsam mit Böttger Versuche zur Porzellanherstellung unternahmen, bei deren Weiterführung auf der Albrechtsburg 1706 zunächst das rote Böttgersteinzeug entstand. Nachdem Ohain die Verwendung von Weißer Erde vom Heidelsberg bei Aue und Alabaster angeregt hatte und Tschirnhaus 1708 die Herstellung des ersten europäischen Porzellans gelungen war, wurde das Verfahren zur Herstellung des Meißner Porzellans durch Böttger verbessert und 1710 die Porzellanmanufaktur Meißen zur Aufnahme der Serienfertigung eingerichtet.“ Quelle Wikipedia


Nicht verwunderlich also, dass in Freiberg nach Rückgang des Bergbaus im Jahre 1906 das erste Mal eigenes Porzellan hergestellt wurde, ursprünglich als Zweigstelle der Porzellanfabrik Kahla.
Es wurden Hochspannungsisolatoren, aber auch Haushaltsporzellan gefertigt. Im Zuge der Weltwirtschaftskrise wurde das Unternehmen 1932 stillgelegt. Dieses erste Werk an der Frauensteiner Straße wurde vor einigen Jahren zu einem großen Teil abgerissen. 
In einem Teil befindet sich heute das Landratsamt.
Nach dem 2.WK begann 1945 erneut die Fertigung von Freiberger Porzellan im Gebäude der ehemaligen Hildebrandschen Fabrik am Davidschacht, Himmelfahrtsgasse 8 und 1946 wurde die Freiberger Porzellan GmbH gegründet.
Und dieses Gebäude ist heute ein Lost Place. 

Diesmal handelt es sich um ein riesiges Gebäude über mehrere Etagen. Da es den Rahmen sprengen würde, heute nur mal ein kurzer Ausflug nach innen…
Durch die kaputten Fenster flogen Vögel aus und ein…vielleicht entdeckt ihr das Rotschwänzchen?
Riesige Werkhallen im ganzen Gebäude….
Überall kaputtes Porzellan am Boden….

Unheimliche Treppenaufgänge
Türen….
Küche und Sanitäranlagen…
Aber auch tolle Ausblicke

Graffiti gibts natürlich auch…

Ganz exklusiv ging es unter dem Dach zu…
1960-62 wurde eine neue Produktionshalle von 108 m Länge angebaut.
Das Freiberger Porzellan erhielt mehrfach Messegold in Leipzig.
1969 wurde das Kombinat ‚vereinigte Porzellanwerke Colditz‘ gegründet, mit Freiberg als Bestandteil   des Zusammenschlusses.

Auch nach 1990 wurde noch weiter produziert. Der Betrieb lief durch mehrere Besitzer…
Kaum zu glauben, dass so ein Gebäude nun einfach so verlassen in der Gegend herumsteht.

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Seit 2000 produziert die Firma Freiberger Porzellan am neuen Standort an der Zuger Straße und hat längst nicht mehr die Größe von früher.

Geschichtswissen aus dem Buch
Freiberg und Umgebung
Die Geschichte von Menschen und Unternehmen der Berg- und Universitätsstadt
ISBN 3-9805699-0-X 
Altmühltal-Verlag

Als nächstes folgt ein Besuch der Ausstellung ‚Weiße Diamanten‚. 
Hier unten könnt ihr eure Lost Places verlinken.

Blumenwiese am Wernerplatz

Noch bin ich da und werde den 12tel Blick am Wernerplatz in Freiberg verfolgen. Mit dem Datum habe ich es diesmal nicht so genau genommen. Ob ich in Zukunft dort noch beobachten kann, ist ohnehin ungewiss. Das Guerilla Gardening Projekt habe ich aber nicht aus den Augen verloren.
Diesmal zuerst ein Anfang-Juli-Blick  
Im hinteren Teil hat sich ein roter Farbpunkt eingefunden. Manchmal setzen sich tatsächlich Leute dort auf die Bänke….danach musste ich das gleich mal selber ausprobieren, aber so richtig gemütlich ist es einfach nicht. Wenn die Sonne scheint, hat man Null Schatten.
Leider ist von den Samenbomben, die wir mit Gretel und Lotta beim letzten 12tel Blick so fleißig verteilt haben, nichts zu sehen. Denn überall sprießt dick der Löwenzahn. Ich hab ein paar der größten Blätter erstmal abgerissen.
Eine Säule ist auch ganz üppig bewachsen, aber es fehlt eine Rankhilfe, damit die Pflanze nach oben ranken kann. So findet nichts Halt an den Granitsäulen und es entstehen nur große Büsche.
Die schmalen Bäumchen dahinter sind grün geworden.
Bei mir warten noch immer die selber bepflanzten Milchtüten auf ihren Einsatz.
Ich wollte ganz sicher sein, dass die Pflanzen schon ein bisschen groß sind, bevor ich sie dort aussetze…das folgt dann nächste Woche.
In einer Milchtüte wächst Kapuzinerkresse. Die Prunkwinde hat bereits zum Blühen angefangen…zum Fotoshooting setzte natürlich gerade wieder der tägliche Regenguss ein….:-)
Ich bin im Moment angenehm überrascht…das Amt für Grünflächen scheint im Urlaubsmodus zu sein und die Wiese rings um die Bänke blüht gerade vor sich hin.
Es ist zwar kein Vergleich mit einer Brachflächen-Blumenwiese, wie ich sie heute an einer ehemaligen Bergbauhalde gesehen habe…dort gab es sogar einen Schachbrettfalter……,
….aber trotzdem schön. Natternkopf, Gelber Hornklee, Wiesenklee, Schafgarbe.
Ich bin gespannt, wie lange es so bleiben darf.
Hier noch ein Überblick der ersten 6 Monate
Ende Juli gibt es noch ein Foto…für die Milchtüten werde ich eine der unberankten Säulen nehmen…mal sehen, wie das Projekt ausgeht.
Ganz lieben Dank für eure zahlreichen Kommentare zum letzten Post und die vielen aufmunternden Worte…:-)