Lost Places #11

Der heutige Lost Place begegnete mir zufällig auf einer Wanderung durch das Trubachtal der Fränkischen Schweiz. Wenn man den Weg im Luftkurort Egloffstein zur Burg nach oben geht, kommt man am Marktplatz und diesem verlassenen Haus vorbei, das sofort auffällt.
Das alte Rathaus ist das zweitälteste Gebäude von Egloffstein aus dem Jahr 1358 und es steht sicher schon längere Zeit leer. Im Netz habe ich dazu folgendes gefunden:
Eine Architekturstudentin hat sich damit beschäftigt, wie eine zukünftige Nutzung des Gebäudes aussehen könnte, allerdings sei die Sanierung zu kostspielig durch die inzwischen vorhandenen Bauschäden. Aufgrund der touristischen Gegend konnte sie sich vorstellen, im Erdgeschoss Ausstellungsräume einzurichten. 
Im Gegenzug dazu befürworten einige Gemeinderäte einen Abriss des Hauses, um dringend benötigte Parkplätze zu schaffen…

Eine Rettung des Gebäudes bräuchte also, wie so oft, einen finanzkräftigen Liebhaber……

Kein Lost Place ist dagegen die Burg Egloffstein, das älteste Gebäude des Ortes aus der Zeit um 1150, das sich immer noch im Privatbesitz des Freiherren v.u.zu Egloffstein befindet. Im Schloss gibt es Ferienwohnungen mit herrlichem Ausblick ins Trubachtal.

Dieser November hatte überwiegend grauen Himmel und auch Frost bis -6 Grad gab es schon. 
Ganz selten gab es aber auch Tage, wie diese, wenn nach tagelangem Regen die Sonne zum Vorschein kam. 
Für Lottas Novemberstimmung ein Foto aus der Fränkischen Schweiz.

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Gibt es noch mehr Lost Places? Dann könnt ihr sie hier verlinken, auch noch nach dem 20.12.

Lost Places #7 Pozellanwerk Freiberg

Seit 110 Jahren wird in Freiberg Porzellan hergestellt. Anlässlich dieses Jubiläums gibt es im Stadt- und Bergbaumuseum vom 2.7. – 30.10.2016 die Ausstellung ‚Weiße Diamanten‘. Bevor wir aber in diese Ausstellung gehen, schauen wir mal, wie es angefangen hat mit der Freiberger Porzellanherstellung.

Freiberg war, was viele vielleicht gar nicht wissen, an der Erfindung des europäischen Hartporzellans beteiligt.
‚Gottfried Pabst von Ohain, der Freiberger Oberzehntner und beste Hüttenfachmann Sachsens, beaufsichtigte im Auftrag von König August II. seit 1701 die Goldherstellungsversuche von Johann Friedrich Böttger.

‚Nachdem Pabst von Ohain die Unmöglichkeit eines Erfolges beschrieben hatte, wurden die Versuche unter Leitung von Ehrenfried Walther von Tschirnhaus und Abraham von Schönberg auf die Herstellung europäischen Porzellans aufgenommen. 
In Dresden entstand ein alchimistisches Laboratorium in dem unter Regie Pabst von Ohains Freiberger Hüttenleute gemeinsam mit Böttger Versuche zur Porzellanherstellung unternahmen, bei deren Weiterführung auf der Albrechtsburg 1706 zunächst das rote Böttgersteinzeug entstand. Nachdem Ohain die Verwendung von Weißer Erde vom Heidelsberg bei Aue und Alabaster angeregt hatte und Tschirnhaus 1708 die Herstellung des ersten europäischen Porzellans gelungen war, wurde das Verfahren zur Herstellung des Meißner Porzellans durch Böttger verbessert und 1710 die Porzellanmanufaktur Meißen zur Aufnahme der Serienfertigung eingerichtet.“ Quelle Wikipedia


Nicht verwunderlich also, dass in Freiberg nach Rückgang des Bergbaus im Jahre 1906 das erste Mal eigenes Porzellan hergestellt wurde, ursprünglich als Zweigstelle der Porzellanfabrik Kahla.
Es wurden Hochspannungsisolatoren, aber auch Haushaltsporzellan gefertigt. Im Zuge der Weltwirtschaftskrise wurde das Unternehmen 1932 stillgelegt. Dieses erste Werk an der Frauensteiner Straße wurde vor einigen Jahren zu einem großen Teil abgerissen. 
In einem Teil befindet sich heute das Landratsamt.
Nach dem 2.WK begann 1945 erneut die Fertigung von Freiberger Porzellan im Gebäude der ehemaligen Hildebrandschen Fabrik am Davidschacht, Himmelfahrtsgasse 8 und 1946 wurde die Freiberger Porzellan GmbH gegründet.
Und dieses Gebäude ist heute ein Lost Place. 

Diesmal handelt es sich um ein riesiges Gebäude über mehrere Etagen. Da es den Rahmen sprengen würde, heute nur mal ein kurzer Ausflug nach innen…
Durch die kaputten Fenster flogen Vögel aus und ein…vielleicht entdeckt ihr das Rotschwänzchen?
Riesige Werkhallen im ganzen Gebäude….
Überall kaputtes Porzellan am Boden….

Unheimliche Treppenaufgänge
Türen….
Küche und Sanitäranlagen…
Aber auch tolle Ausblicke

Graffiti gibts natürlich auch…

Ganz exklusiv ging es unter dem Dach zu…
1960-62 wurde eine neue Produktionshalle von 108 m Länge angebaut.
Das Freiberger Porzellan erhielt mehrfach Messegold in Leipzig.
1969 wurde das Kombinat ‚vereinigte Porzellanwerke Colditz‘ gegründet, mit Freiberg als Bestandteil   des Zusammenschlusses.

Auch nach 1990 wurde noch weiter produziert. Der Betrieb lief durch mehrere Besitzer…
Kaum zu glauben, dass so ein Gebäude nun einfach so verlassen in der Gegend herumsteht.

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Seit 2000 produziert die Firma Freiberger Porzellan am neuen Standort an der Zuger Straße und hat längst nicht mehr die Größe von früher.

Geschichtswissen aus dem Buch
Freiberg und Umgebung
Die Geschichte von Menschen und Unternehmen der Berg- und Universitätsstadt
ISBN 3-9805699-0-X 
Altmühltal-Verlag

Als nächstes folgt ein Besuch der Ausstellung ‚Weiße Diamanten‚. 
Hier unten könnt ihr eure Lost Places verlinken.

Lost Places #6 – Spritfabrik Stölzner Freiberg

An der Brander Straße 12 in Freiberg fahren täglich unzählige Autos vorbei.
Ein Gebäude, das schon über hundert Jahre zum Stadtbild der Gegend hinter dem Bahnhof gehört.
Ein Lost Place, der schon wichtigere Zeiten gesehen hat. 

Das Produktionsgebäude der ehemaligen Spritfabrik Gustav Stölzner stammt ungefähr aus dem Jahr 1910 sagt die Liste der Kulturdenkmäler Freibergs, obwohl die Firma schon im 19.Jahrhundert gegründet worden ist.
Heute wird das vordere Wohnhaus (links) bewohnt und im hinteren Teil der Firma gibt es noch einen Reifenservice.
Das Fabrikgebäude rings um den Turm steht leer.
Neue Bepflanzung neben alter
Man findet geschichtlich nicht viel darüber im Internet. Auch meine Freiberg-Bücher über alte Industrie in Freiberg enthalten diese Firma nicht.
Ich müsste vermutlich mal einen alten Freiberger zu dem Thema ausfragen.
Beim Googeln wird man nur fündig, dass ein ehemaliger Mitarbeiter der Spritfirma Stölzner sich selbständig gemacht hat und die Getränke-Firma Schneider&Berger gründete, die heute immer noch existiert.
Die Freiberger Magenwürze  war vermutlich ein größerer Kassenschlager, als Produkte von Stölzner und deshalb findet man nicht viel darüber.
1963 wird die Herstellung und Auslieferung von Brennspiritus und Primasprit von Schneider&Berger an Stölzner abgegeben. 
Damit endet meine Recherche. In allen weiteren Berichten über Spirituosen in Freiberg ist nur noch von Schneider&Berger die Rede und natürlich von der Freiberger Brauerei.
Im rechten hinteren Teil versucht die Natur, sich ihren Teil zurück zu erobern.
Ein bisschen mulmig wird es mir dann immer, aber es ist auch spannend.
Auch ein Blick  nach innen lässt nichts mehr von der früheren Spritfabrik erkennen…
Weiter nach hinten habe ich mich dann auch nicht mehr getraut, weil dort gearbeitet wurde.
Kurzzeitig hatte ich Besuch von einem ziemlich mageren roten Kater, der hier wohl zu Hause war.
Im Hintergrund sieht man die Rückseite des Bahngeländes mit einem stillgelegten Teil und ganz auf der anderen Seite die ehemalige Besteckfabrik Freiberg mit dem grünen Dach, die zu einem Hotel umgebaut wurde.
Also wohlgenährt war der Kater keinesfalls.
Und wenig später kam noch seine Freundin…und ließ sich von mir kraulen.
Gegenüber war der Bewuchs der verlassenen Bahnstrecke etwas spannender.
Bahnschienen-Pflanzen
Am blühenden Natternkopf ‚Echium vulgare‘ tummelten sich die Insekten. Leider war das Zoom nicht ausreichend und über die Absperrung wollte ich auch nicht steigen.
So sieht es bei einem Lost Place auf dem ehemaligen PAMA-Gelände gegenüber aus…dort konnte ich näher an den Natternkopf rangehen.
Wer mag, kann sich gerne hier unten bis zum 19.07. mit anderen Lost Places verlinken.
Ich freue mich sehr über eure Beitrage. 
12 Verlinkungen sind das letzte mal bei Lost Places #5 zusammengekommen.

Verlinkt mit Schwarz-Weiß-Blick

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Lost Places #5 Schloss Droyßig

Heute, aus aktuellem Anlass mal ein Lost Place, der mir ganz zufällig auf unserer Radtour entlang der Weißen Elster begegnet ist.
Nachdem wir den Samstag-Abend zuerst mit einem Einkauf am Ziegenhof in Schleckweda begonnen hatten und anschließend noch bei der Versteigerung des Pfingstbaums in Wetterzeube Geld in die Gemeindekasse geworfen hatten, mussten wir noch den Droyßiger Berg bezwingen und zu unserer Unterkunft ‚Waldpension‘ in Droyßig radeln. 
Nachdem es dort aber nichts zu essen gab, erkundeten wir den kleinen Ort und landeten in der Schlossgaststätte eines wunderschönen sehr alten Gemäuers. Von diesem renovierten Teil gibt es keine Fotos. 
Dafür von dem benachbarten, verlassenen Schlossgebäude, das einen unwahrscheinlich nostalgischen Charme versprühte.
Fast würde es mir Leid tun, wenn dieser historische Teil renoviert werden würde…und diese Meinung kommt ganz selten bei mir vor.
Droyßig ist eine Gemeinde des Burgenlandkreises in Sachsen-Anhalt, nicht weit entfernt von der Autobahn A9 und vom Tal der Weißen Elster. 
Erstmals wurde die Stadt 1170 urkundlich erwähnt.
Das Schloss Droyßig wurde Anfang des 13. Jahrhunderts von Kreuzrittern als Mittelalterliche Burganlage errichtet, um einen wichtigen Straßenkreuzungspunkt zu sichern.
Es gibt einen großen Schlosspark am Schloss, aber das Wetter war miserabel, wie man nun auch am Himmelsgrau sieht. Es regnete am Sonntag-Morgen und dazu war es eiskalt, aber das Schloss wollte ich unbedingt noch mal im Hellen besichtigen.
Anfang des 17. Jahrhunderts wurde die alte Burg zum Schloss umgebaut, was man heute noch gut erkennen kann, da die Grundmauern erhalten geblieben sind.
Die Schlosskirche wurde nach Abbruch der ehemaligen Befestigungsanlage auf dem Burggraben errichtet, aber sie wurde niemals fertiggestellt.
Schon immer ein Lost Place.
Wunderschön ist der uralte Efeu, der sich an dem Gemäuer entlangwindet. 
Das alleine scheint mir schon ein schützenswertes Naturdenkmal zu sein.
Man gelangt ohne Eintritt auch in den Innenhof des Schlosses und dort hat man sofort das Gefühl, vor einer Filmkulisse für Rapunzel zu stehen.
Meine Vorliebe für alte Türen und Torbögen kennt ihr ja schon….
Wer mag wohl schon alles auf dieser Bank gesessen haben?
Und nochmal Zoom auf den Boden…Maiglöckchen als Ritzenblümchen.

Unter diesem Post dürft ihr euch nun wieder mit anderen Lost Places verlinken. 
Die Verlinkung ist bis zum 19.06. möglich.

Lost Places 4 – Feinkost Leipzig

Wer sich mit Leipzig auskennt, wird sich jetzt fragen, was an der Feinkost denn ein Lost Place ist…?

Diesmal ist es kein vollständiger Lost Place, dafür aber teilweise und ich möchte zeigen, was man in Leipzig aus einem Lost Place tolles gezaubert hat, ohne einen großen Investor zu benötigen, auch wenn es noch einige ungenutzte Bereiche gibt.
Der Platz ist authentisch…ein Paradies für Fotografen.
Mein Anliegen ist es, Lost Places zu fotografieren, um zu zeigen, was für Potential alte Bauwerke haben.
Mir gefällt es nicht, nur über die Baufälligkeit zu jammern und wie schlimm das doch alles aussieht.
Es soll viel mehr eine Anregung sein, Lost Places wiederzubeleben, wenn sie noch erhalten werden können. Das war zum Beispiel auch das Anliegen des Fotobandes Lost Places Leipzig.
Rechts unterhalb der Feinkost-Schrift befindet sich ein Plakat
Menschenrechte
statt
Rechte Menschen

Die Feinkost Leipzig befindet sich in der Karl-Liebknecht-Straße 36 und fällt dem fotografisch geschulten Auge sofort auf.
Das Gebäude gehört zur Kneipenmeile von Leipzig, wo abends immer was los ist.
Südvorstadt Leipzig
Wenn du bei deinem Lieblings-Italiener keinen Platz bekommst, versuchst du es eben nebenan und wenn der auch voll ist, gibt es noch einen nebenan…oder du gönnst dir Spanische Tapas auf der anderen Straßenseite….:-)
Im Biergarten kannst du schon im März sitzen, wenn das Gasfeuer neben dir lodert. So habe ich zumindest diesen Tag beendet…:-) siehe letztes Foto
Rechtes Tor mit ‚Kost‘
Was auf dem linken Tor steht ist ja klar….
Ich bin  kurz vor meinem Messeausflug dort langgeschlendert und fand mich kurze Zeit später im schönsten Kinderbuchladen Leipzigs wieder….Serifee, nennt er sich.
Im Laden habe ich mir nicht getraut, zu fotografieren, aber ich habe ganz nett mit dem Inhaber von nebenan geschwatzt….mit Rene Pölzing vom Kapitaldruck Leipzig. Das war eigentlich besser, als der ganze Messebesuch anschließend…
…mal vom tollen Bloggertreffen mit Lotta und Gretel abgesehen….:-)
Vor dem Kinderbauchladen,
ich bin begeistert…gibt es einen tollen Sandkasten mit Rundumsitzbank, falls sich deine Kinder gerade nicht für Bücher interessieren oder du noch in den Kapitaldruck möchtest.
Die Farben an der Wand sind im Logo der Kunst- und Gewerbegenossenschaft Feinkost eG verankert.
Auf der Webseite stehen interessante Infos zur Geschichte des Gebäudes.
Der Innenhof wird ganz vielseitig für Veranstaltungen, Flohmärkte, Konzerte etc. verwendet.
Drachen fliegen durch die Luft….
Der hatte eine prima Aussicht über den ganzen Innenhof
Sogar ein Architekturbüro ist hier heimisch geworden.
Eine tolle, inspirierende Arbeitsumgebung.
Welche kreativen Menschen dort noch zu finden sind, kannst du hier nachlesen.
Zum Schluss noch ein Kulturdenkmal von der Fassade…. die Löffelfamilie..:-)
Die Leuchtreklame VEB Feinkost Leipzig leuchtet abends auf Wunsch per Anruf oder SMS.
Wenn du die Löffelfamilie regulär leuchten und löffeln sehen willst, geht das für 90 Minuten nach Einbruch der Dämmerung. Die Beleuchtung wird von einer Astro-Uhr gesteuert.

Letzten Samstag sind wir wieder dort gewesen…und ich hatte ganz vergessen, was ich hier fotografiert hatte.
Das Karlibeben macht es unmöglich, dort einen Parkplatz zu finden. 
Meine Schwester war bereits geflüchtet….:-)
Ein ziemlich weltoffenes, fröhliches Treiben…:-)
Ein Leipziger Straßenfest der besonderen Art.

Jetzt nur noch ein letztes Foto vom Messe-Abend im Biergarten in der Karli.

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Unter diesem Betrag freue ich mich auf eure Beiträge, die aktuelle Lost Places, aber auch ehemalige Lost Places sein dürfen.