Mit der Bahn nach Freiberg

Dass es sich lohnt, das mittelalterliche Städtchen Freiberg zu besuchen, haben wir an dieser Stelle ja schon mehrfach erwähnt…aber wie kann man eigentlich hierher kommen?
Variante 1 per Auto ist relativ unkompliziert, da Freiberg in Mittelsachsen liegt und damit auch von allen sächsischen Autobahnen aus gut zu erreichen ist.
Wenn man aber lieber ein Zugreisender ist…in den modernen Zügen könnte man ja sogar sein Laptop herausholen und bloggen…oder seine neusten Einfälle ins Notizbuch kritzeln…dann kommt man bei Variante 2 am Ende der Reise auf dem Freiberger Hauptbahnhof an. 
Eigentlich gibt es ja nur einen Bahnhof, der sich nicht neben anderen behaupten muss. Aber früher gab es mehrere Bahnhöfe, wie den alten Ostbahnhof, der ja nun leider ein Lost Place geworden ist.
Ich möchte euch vorwarnen, falls ihr diese Reise wirklich antreten solltet….obwohl ich mich wirklich sehr freue über neue Bloggerkontakte…:-))
Dieser Bahnhof hinterlässt leider alles andere, als einen erfreulichen Anblick. 
Eher könnte man auf die Idee kommen, am liebsten den nächsten Zug nach Dresden zu nehmen. Auch wenn man gerade aus dieser Richtung kommen sollte. 
Quelle: Bahnhofsvorstädter
Zur Geschichte. 
Am 11. August 1862 wurde die Verlängerung der ursprünglichen Bahnstrecke Dresden-Tharandt bis nach Freiberg gefeiert und damit auch das neue Bahnhofsgebäude eingeweiht. Es ist vom Freiberger Architekten und Professor Eduard Heuchler im Neogotischen Stil errichtet worden. 
Das Anlegen der Bahnstrecke war eine ziemliche Herausforderung.

So waren zwölf Überführungen der Weißeritz bis Tharandt, der Tunnel bei Edle Krone zur Überwindung des Felsmassivs sowie die Überbrückung tiefer Taleinschnitte an der gesamten Strecke zu errichten. Vor allem die Tharandter Steige bis Klingenberg-Colmnitz war eine Herausforderung. Für Felssprengungen waren fast 3000 Zentner Pulver nötig. Quelle

Inzwischen ist der Bahnhof in keinem guten Zustand mehr. Darum wollte sich Investor A kümmern. Er hatte sogar schon Mieter von Firma C. für das renovierte Gebäude in Aussicht.
Leider kam es anders. Firma C. ging in Insolvenz, trotz ökologischer Absichten in der Produktion von Biokraftstoff aus nachwachsenden Rohstoffen. Damit entstand ein moderner Lost Place, in dem viele Millionen verloren gegangen sind und das Bahnhofsgebäude blieb umrenoviert.
Inzwischen hat Investor B das Bahnhofsgebäude gekauft und ebenfalls große Pläne….ich bin gespannt.
Jutta sammelt am ersten Samstag im Monat ‚Marode Schönheiten‘
Die nächsten Lost Places sammele ich am 20.Februar.

Marode Schönheiten #13 und feuriger Freitagshimmel

Am ersten Samstag des Monats lädt Jutta zu einer Sammlung Maroder Schönheiten ein.

Die heutigen Aufnahmen sind schon wieder zwei Wochen alt, also nicht erschrecken…hier war es diese Woche eher ganz schön warm und von Schnee keine Spur mehr.
 In der Kirchgasse 13 gibt es ein marodes Haus mit viel Geschichte. Man sieht, dass es nur wenige Schritte vom Dom entfernt ist…..die Nachbarhäuser sind sehr gut erhalten. 

Das Foto Oben Rechts stammt vom Anfang des Jahres. Die Straße war abgesperrt…ich vermute, man hat das Dach repariert.
‚Bis 1859 befand sich in diesem Haus, Kirchgasse 13, das 1555 von Kurfürst August gegründete Oberhüttenamt. Ihm unterstand die Verwaltung der überwiegend kurfürstlichen Freiberger Schmelzhütten. Außerdem oblag ihm die Festlegung verbindlicher Auflaufpreise für das Silbererz. Die dabei gültigen Bewertungskriterien führten zur Ausbildung der sogenannten Probierkunde, einer Vorläuferwissenschaft der Analytischen Chemie.‘
In dieser Gegend gibt es einige schöne Portale aus dem 16.Jahrhundert. 

                 In der Kirchgasse 13 wurde es leider wegen starker Verwitterung ausgebaut.

Das Historische Foto stammt aus dem Buch ‚850 Jahre Freiberg‘ von Gunther Galinsky. Links sieht man das Portal um 1912 und oben rechts 1980. 1913 war eine ‚Grünwarenhändlerin‘ im Haus.
Links neben dem maroden Haus befindet sich hinter diesem Portal das Sächsische Oberbergamt,
in der Kirchgasse 11
Im rechten Nachbarhaus, der Kirchgasse 15, da habe ich selber schon mal drin übernachtet….
Dort ist der Schönberg Hof, ein ehemaliger Adelssitz in dem Goethe 1810 seinen Freund besucht hat. 
Ein paar Meter weiter kommt man gegenüber dem Dom zu zwei Portalen, die noch erhalten sind
Altes trifft auf Neues…so sieht es in dieser Ecke aus
Dem Bergbaumuseum wurde dieses Jahr ein barrierefreier Zugang angebaut.
Ob es mit dem UNESCO-Welterbe der Region klappt, dass entscheidet sich erst nächstes Jahr.
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Hier geht es zu Juttas ‚Maroden Schönheiten‘

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Zum Schluss noch unseren Freitag-Morgen-Himmel, der mich so fasziniert hat, als ich auf dem Rückweg vom Bäcker war.
Das Bäumchen in der Mitte ist unsere Fichte.

Marode Schönheiten #12 – Burgstraße Freiberg

Die Sommerpause für die Maroden Schönheiten bei Jutta ist schon seit September vorbei. Den letzten  Termin hatte ich verpasst. Heute kommt aber mal wieder ein Beitrag aus der kleinen mittelalterlichen Stadt
Es ist noch längst nicht der Fall, dass mir die Motive ausgehen, aber ich muss zugeben, dass es immer weniger werden.
Das heutige Objekt befindet sich jetzt ganz alleine in einer Reihe ringsum sanierter Häuser.
Als ich vor ca. 8 Jahren zum ersten Mal dort stand…war es noch ein komplett anderer Zustand…..
Adresse: Freiberg, Burgstraße 38
Für mich war das ein Anlass, mal wieder die Liste der Kulturdenkmale Freibergs zu durchsuchen. Man findet dort fast jedes Haus der Altstadt
Von der Kreuzung Burgstraße/ Prüferstraße aus sieht man ein wenig, dass alle benachbarten Häuser schick sind und ich bin mir sicher, 
dass es irgendwann auch dieses Haus schaffen wird…:-))
Es ist ein nahezu original erhaltene Bürgerhaus aus dem 16.Jhdt. 
mit Renaissancegewänden in den beiden Obergeschossen
und sehr hohem Dach
Die sichtbare Fassade muss schon mal vor längerer Zeit renoviert worden sein, der Giebel dagegen, der sich in der Moritzstraße befindet, ist schon sehr marode
Nachdem ich heute kurzerhand dieses Haus ausgewählt hatte, war ich ganz erstaunt über das gegenüberliegende Eck
Dort ist seit kurzem (Oktober) ein Café in das neu renovierte Gebäude der Uni eingezogen, 
das SIZ (Studenten-Info-Zentrum)
Es gibt ganz leckere Sachen und natürlich auch Freiberger Eierschecke
Was hier fehlt, ist die Ansicht der Burgstraße und das Schloss Freudenstein, was man von dort auch sieht, aber darüber habe ich hier oder hier schon mal berichtet und heute hatte ich nur das Handy zum Fotografieren dabei….und es geht ja um die Maroden Gebäude!!!

Marode Schönheiten #8 – Alte Gerberhäuser

Am ersten Freitag (heute schon Donnerstag) des Monats sammelt
 Jutta K. Marode Schönheiten.
Heute bleibe ich noch mal im unteren Stadtteil, dem Nikolaiviertel von Freiberg, in der man einige sehr alte Gerberhäuser findet. Es ist der älteste Teil der Stadt, in dem der erste Silberfund Geschichte geschrieben hat. 
Münzbach und Mühlgraben sind inzwischen in Rohrleitungen verschwunden.

Man erkennt die Gerberhäuser an den vorstehenden Obergeschossen und an den sehr hohen Dachböden, die für die Trocknung der gegerbten Tierhäute notwendig waren.
Mühlgraben 25 ist der marode rechte Teil eines Doppelhauses.

Die linke Hälfte Mühlgraben 23 ist saniert. 
Komisch, wenn man direkt neben einer Ruine wohnt…kommt hier aber öfters vor.
Rechts daneben (in der Lücke) muss bis 1995 ein Gerberhaus gewesen sein, dass durch Brandstiftung zerstört worden ist.

In der entstandenen Lücke ist  hinten ein Gerberhaus zu erkennen. Die Vorderseite habe ich vergessen, anzuschauen.
Die Schneebilder stammen aus dem Januar….heute liegt hier noch viel mehr Schnee, dank Tief Niklas…:-)))

Dieses Gebäude ist das ehemaliges Gerberhaus der Lohgerberei Lorenz in der Nikolaigasse 15.
Links daneben wohnt die rote Katze, die sich gerne ein paar Streicheleinheiten abholt… in einem sehr schicken Haus. 
Der Schriftzug ‚LOHGERBEREI LORENZ‘ ist noch ein wenig zu erkennen,
Türbogen mit Jahreszahl 1820
Leider ziemlich hässlich zugemauert
Die Rückansicht vom Badegässchen aus gesehen.
Das Nachbarhaus ist offenbar schön länger hinüber
Im Bild rechts die Nikolaikirche 

Über das Gerberhandwerk in Freiberg hatte ich hier schon mal berichtet.
Das Wasser hat man in der Gegend aber auch zu angenehmen, geselligen Zwecken genutzt. 
Im Badegässchen 2 soll es  seit 1473 eine Badestube mit Wirtschaft (Bierausschank) gegeben haben.
Hier könnt ihr noch mehr Marode Schönheiten besuchen.

Marode Schönheiten #3 – Gebergasse Freiberg

Am ersten Freitag im Monat sammelt Jutta K. Marode Schönheiten aus Deutschland oder anderswo.

Wie versprochen, diesmal ein Blick zur Gerbergasse nach Freiberg. Wenn ich faul bin und mit Auto in die Stadt fahre, komme ich genau dort an und versuche mir vorzustellen, wie es hier mal war, vor ziemlich langer Zeit.

Zuerst fällt mein Blick linkerhand auf die ‚Historische Schankwirtschaft‘ mit einem wunderbaren Sitznischenportal aus dem Jahr 1534….das darf schon mal marode aussehen…. Im Freiberg-Kalender ist es leider nicht gelandet, aber ich finde es trotzdem wunderbar. Das Haus ist sonst aber in Ordnung und noch bewohnt incl. Gastwirtschaft.


Geht man die Gasse etwas weiter, trifft man auf einen Steinhaufen. Leider weiß ich nicht, was dort eingefallen ist oder abgerissen wurde. Es sieht allerdings so aus, als wenn hier Neues geplant ist. Ich werde das im Auge behalten. Hinter der Mauer ist die Nikolaikirche zu sehen.

Das Geberhandwerk in Freiberg

Dreht man sich um, hat man einen wunderbaren Blick auf den Donausturm und die Jakobikirche. Die Gebergasse liegt unten, im ehemaligen Münzbachtal. Das Geberhandwerk benötigte viel Wasser und wird hier 1294 das erste mal erwähnt.

Es gab Loh- (pflanzlich) und Weißgerber. Bei der Lohgerbung wurden Tierhäute mit pflanzlichen Gerbstoffen aus Eichen- und Fichtenrinde haltbar gemacht.
Die Bergleute benötigten robuste Arbeitskleidung und Schuhe aus Leder oder  Tscherpertaschen (Tscherper=Bergmannsmesser). und Berg oder Arschleder (!!!)…nein, nicht zum Hintern versohlen…auch so ein Bergmannsding.

Ja, und dann kommt ein ganz besonderes Haus in der Gebergasse 15. Das ehemalige Lebensmittelgeschäft von Emil Schulze, was man noch gut an der Hauswand ablesen kann. Der Bau stammt auch aus dem 16. Jhdt.

Über der Tür ist der alte Bergmannsgruß zu sehen und sogar die alte Markise über dem Laden hält noch standhaft. Ich weiß nicht, wann hier das letzte mal der Laden offen war, aber es muss schon eine ganze Weile her sein…..

Hier noch mal der Blick zur Rückseite der Nikolaikirche hoch. Diese Gasse nennt sich Aschegasse und die ganze Gegend Nikolaiviertel.

‚Achtung Straßenschäden‘ in der Gebergasse….eigentlich überflüssig. Das müsste man dort an jeder Ecke aufstellen.
Manchmal treffen ich diese kuschelige, rote Katze, der das alte Pflaster nichts ausmacht….
Noch mehr Morde Schönheiten gibt es bei Jutta K.