Der Erzgebirgische Schwibbogen

So viel, wie im Erzgebirge, leuchten nirgendwo Schwibbögen zur Adventszeit in den Fenstern. Kein Wunder, denn der älteste bekannte Schwibbogen kommt aus Johanngeorgenstadt. Ich habe ihn erst vor kurzem im Bergbaumuseum in Freiberg entdeckt.

Heute verabschiede ich mich mit einer kleinen Schwibbogensammlung in die Weihnachtspause und wünsche euch entspannte, besinnliche Weihnachtsfeiertage!

An diesem wunderschön leuchtenden Schwibbogenhaus bin ich im Dezember täglich mehrfach vorbeigekommen, wenn ich den Sohn in die Schule fahren musste (Gipsfuß nur noch bis morgen….).
Jeden morgen hat mich das leuchtende Haus wieder etwas versöhnt mit der vielen Fahrerei.
Der folgende Metall-Schwibbogen ist der älteste bekannte seiner Art und steht hier….
Ursprünglich trug er die Aufschrift „1778“ und „J. C. Teller“.
Unter der Farbschicht entdeckte man 2003 die Jahreszahl 1740
Er ist aus Metall und stellt die Vertreibung Adam und Evas aus dem Garten Eden dar.
Eines der traditionellsten Motive der Erzgebirgs-Schwibbögen zeigt zwei Bergleute bei der Arbeit, einen sitzenden Schnitzer und eine sitzende Klöpplerin. Diese Tätigkeiten waren die Haupterwerbsquellen der erzgebirgischen Landbevölkerung des 18./19. Jahrhunderts.
Der Bürgermeister darf täglich unter diesem Bogen auf Arbeit gehen….
Portal mit Schwibbogen am Rathaus
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Der nächste Schwibbogen auf der Bühne des Freiberger Christmarktes zeigt auch dieses traditionelle  Motiv.
„Entgegen der oft geäußerten Behauptung, die Form des Schwibbogens symbolisiere das Mundloch eines Stollens, werden im Halbrund einiger früher Schwibbogen Sonne, Mond und Sterne dargestellt. Die Symbolisierung des Himmelsbogens ist daher weitaus wahrscheinlicher. 
Die auf dem Bogen aufgesetzten Lichter waren Ausdruck der Sehnsucht der Bergleute nach Tageslicht, das sie vor allem in den Wintermonaten oft über Wochen nicht zu Gesicht bekamen; zum Arbeitsbeginn am frühen Morgen war es noch dunkel, und nach dem Ende der Schicht am Abend war die Sonne bereits untergegangen.“ Quelle
Heute werden 20 Uhr die Tore des Christmarkts geschlossen.  Dann läutet ein Bergknappe mit der Häuerglocke (hängt am Holzgestell vor dem Schwibbogen) die Weihnachtsruhe ein.
Ich wollte eigentlich nie einen Schwibbogen ins Fenster stellen,
aber nun wohnen wir ja im Erzgebirge…..
…..ein weiteres sehr, beliebtes Schwibbogen-Motiv….die Seiffener Kirche.
Mit dem beleuchteten Schwibbogen im Fenster war eine weitere Symbolik verbunden: das Licht des Schwibbogens sollte den Bergleuten den sicheren Weg zurück in ihr Heim weisen.

Christmarkt-Spaziergang

Heute spazieren wir für Lotta über den Freiberger Christmarkt und sammeln ein paar Eindrücke für ‚Bunt ist die Welt‘ #51….immerhin ist das ihre zweite Heimat und sie hat es leider nicht geschafft, im Dezember vorbeizuschauen….
Der Freiberger Christmarkt wurde dieses Jahr von der Zeitschrift Geo zu einem der 10 schönsten nostalgischen Weihnachtsmärkte in Deutschland gewählt. 

Natürlich gibt es den Weihnachtsmarkt schon viel länger…immerhin ist die Stadt schon über 850 Jahre alt…aber in dieser Form erst seit 26 Jahren.

Im Erzgebirge darf natürlich die große Pyramide nicht fehlen. Traditionell wird zur Weihnachtsmarkteröffnung die Pyramide von den Freiberger Kindern angepustet….sonst würde die sich gar nicht drehen…..auf der untersten Ebene gibt es sogar Schafe, darüber Bergmänner.

Ganz stattlich und wunderschön dicht gewachsen ist dieses Jahr die Colorado-Tanne aus einem Privatgarten im Münzbachtal.

Hier geht es zum Büro des Oberbürgermeisters….also ins Rathaus.
Engel und Bergmann, zwei typische Figuren des Bergbaus, leuchten über dem Eingang.
Gleich links daneben können die Kinder in der kleinen Bergwerkstatt werkeln.
Dieses Jahr gab es Kerzen zu verzieren und sehr begehrt war auch das Sägen von Reifenfiguren für eine selbstgebaute Krippe.
Ein Stand mit Herrnhuter Sternen darf auf keinem sächsischen Weihnachtsmarkt fehlen
genau so wenig, wie mehrere Stände mit Pulsnitzer Lebkuchen
und ganz wichtig sind natürlich einige Stände mit Erzgebirgischer Volkskunst.
Ganz oft war im Advent der Himmel so blau, dass Glühweintrinken gar nicht nötig war.
Aber abends sind diese Stellen alle so beliebt, dass man kaum Fotos machen kann.

Hier mal noch ein Foto vom letzten Jahr, als es das 25jährige Jubiläum gab. Auf der Bühne beim Stadtgründer Otto (am Löwenbrunnen) gibt es täglich Konzerte.

Eine schöne Tradition ist der Anschnitt des 2 Meter langen Riesenstollens am 1. Adventssamstag.
Diesen Stollen darf jedes Jahr ein anderer regionaler Bäcker backen.
Der Erlös wird für soziale Zwecke in Freiberg verwendet. Letztes Jahr war es der Bäcker Klemm und dieses Jahr  durfte der Bäcker Schramm 2 Meter Stollen backen.

Zum Schluss nehme ich euch noch mit in mein Lieblings-Miezhaus…
Keramikstand der Firma Seiko aus Chemnitz.
Hat euch der kleine Ausflug gefallen…?
Noch mehr Adventsspaziergänge könnt ihr hier anschauen.