Hortulus des Walahfried

Fencheltee beruhigt den Magen und die Nerven, Zitronenmelisse schmeckt erfrischend in kalten Sommertees, Salbei und Thymian bewähren sich bestens bei der aktuellen Erkältungswelle.
Gut, wenn man das alles selber aus dem Garten ernten kann. Deshalb finde ich, ein Kräuterbeet muss sein. Oder auch mehrere, wenn der Platz da ist. Und wenn nicht, dann gibt es immer noch Töpfe oder Körbe.
Und wenn man die Kräuter nicht erntet, dann blühen sie für die Insektenwelt und für Schmetterlinge. Gerade Lavendel, Salbei und Oregano möchte ich daher gar nicht mehr missen.

Bevor ich aber mit dem Gärtnern loslegen kann, schaue ich mir erstmal den schönen Kräutergarten an, den ich letztes Frühjahr auf der Insel Reichenau entdeckt habe.

Dort befindet sich neben dem Münster St. Maria und Markus der originalgetreue Nachbau des Kräutergartens des Abtes Walahfried Strabo, aus dem 9. Jahrhundert. Also noch vor der Zeit von Hildegard von Bingen.

Strabo schrieb über seine Pflanzen das Lehrgedicht „De cultura hortorum“, auch ‚Hortulus‘ (Gärtchen) genannt. Das müsste übersetzt soviel heißen, wie ‚Über die Pflege der Gärten’….
Mit seinen 24 Versen beschrieb er in gereimter Form 24 Heilkräuter, Küchen- und Zierpflanzen und die Inspiration dazu kam natürlich aus seinem Klostergarten.
 Man könnte auch sagen, sein gereimter Pflanzenratgeber ist das erste deutsche Gartenbuch. 
Quelle/ Eine Abbildung des Kräutergarten St.Gallen
Im Klostergarten gibt es 24 Kastenbeete und zu jedem Kasten eine Infotafel, die auch einen Auszug des ‚Hortulus‘ enthält. 
Viele der hier wachsenden Pflanzen findet man auch heute noch in den Gärten. 
Auch wenn die Melone oder der Flaschenkürbis sicher das milde Bodenseeklima benötigen, um auch in unseren Breiten Ernteerfolge zu bringen.

Mein erstaunter Blick viel auf die Katzenminze, die heute weniger als Heilpflanze bekannt ist. In meinem Garten diente sie eher den Katzen als Rauschmittel.
‚Denn mit dem Öl der Rose vermischt, gibt ihr Saft eine Salbe…die Schrammen verwundeten Fleisches beseitigt..‘

Es war Ende März und die Gärtner hatten gerade mit dem Einpflanzen der einjährigen Kräuter zu tun. Die mehrjährigen waren bereits zurückgeschnitten.
Die Poleiminze wurde großzügig  auf dem Kastenbeet verteilt.
Im Mittelalter eine bekannte Heilpflanze, aber sie enthält einen Giftstoff, das Pulegon, und ist daher nur mit Vorsicht für innere Zwecke zu verwenden.
‚Glaube mir mein Freund, der Poleientee wird dir heilen,
Sei es als Trank oder Umschlag, den stockenden Gang der Verdauung…‘



Die Iris (Deutsche Schwertlilie) beschrieb der Walahfried nicht als Heilkraut, aber nützlich war sie schon:
‚Du gibst dem Walker das Mittel, mit dem er das Leinengewebe
glänzend und steif appretiert und ihm Duft, wie von Blumen verleiht….‘

Der Schlafmohn wird heute durch eine Zierform ersetzt. Der offizielle Anbau ist wegen Missbrauch (Opium- und Heroingewinnung) verboten. Da macht man auch keine Ausnahme, wenn es um den originalgetreuen Nachbau geht….
Der Weiße Andorn ist mir noch gar nicht bekannt gewesen
‚doch vermag er zu lindern arge Beklemmung der Brust.
Geschluckt als bitteres Tränklein.‘
Im nächsten Bild wächst vorne der Muskatellersalbei.
Schade, dass ich den Garten nicht im blühenden Zustand gesehen habe.
Die Klostermauern schützen den Garten noch zusätzlich. Die Bank lädt zum Verweilen ein.
Das nächste Mal komme ich im Sommer……
Der Besuch des Münsters St. Maria und Markus, der ältesten Kirche der Insel,  lohnt auf jeden Fall auch.
Münster verlinkt zu Lottas #Gebäuden

Kräuterhexenwanderung im Erzgebirge

Am Walpurgistag hatte ich eine Einladung zum Kastanienhof nach Reichenau im Erzgebirge.
Normalerweise versammeln sich dort von Mai bis September unter den alten Kastanien Besucher und Schauspieler des Laientheaters von Reinhardt Schuchart und Silke Führich.
Am 30. April wollte ich aber wissen, ob ich auch zur Kräuterhexe tauge.
Die erste Hürde war schon mal die Anreise. Ganz vergessen hatte ich, dass Reichenau hinter Frauenstein liegt und die Ortsdurchfahrt dort leider im Moment eine Totalsperrung hat. 
Gerne hätte ich mir einen Besen genommen und wäre per Luftlinie zum Kastanienhof geflogen. So musste ich dann ohne Navi (weil kaputt) durch die Erzgebirgsdörfer entlang der Bobritzsch kurven.
Nebengebäude von 1912 – mit Hexenküche ausgestattet
Gerade noch rechtzeitig kam ich dann auf dem Hof an und alle Kräuterkundigen, Kräuterunkundigen und Kräuterhexen-Anwärter waren bereits versammelt.
Unsere Oberhexe hatte einige Anregungen dabei, was man aus Kräutern alles zaubern kann, bevor die Wanderung losgehen sollte.
Die Männer fanden es natürlich besonders lustig, die Cellulite-Creme zu probieren.
Es gab leckere Holunder-Limonade und eine kurze Einführung in die Kräuterkunde, die beinhaltete, auch mal am Stink-Storchschnabel zu schnuppern.
Eigentlich hätten wir gar nicht zu wandern brauchen, denn am Kastanienhof selber wuchsen alle Kräuter, die sich eine Kräuterhexe nur wünschen kann.
Bester Beweis war der Aufschrei unserer Oberhexe nach den ersten 5 Metern….
Allium paradoxum!!!!
Normalerweise merke ich mir lateinische Begriffe nicht sofort, aber die Freude darüber war so groß, 
weil der Lauch sonst eher in der Berliner Gegend vorkommt. 
Ihn nun ausgerechnet im Erzgebirge zu finden, war eine Sensation.
Wir wanderten dann eine Weile durch den kleinen Ort und bogen ab in Richtung Bobritzschtal.
Zuerst war eine Pause am Sportplatz dran.
Voller Gänseblümchen und Löwenzahn….
Beim Sammeln der Kräuter lauschten wir andächtig dem ‚Märchen vom Gänseblümchen‘
Als die Körbe schon gut gefüllt waren, ging es weiter.
Einfach traumhaft, die Wiesen in dieser Landschaft. Das erste neue Kraut, was ich kennenlernen durfte, war der Bärwurz, der gerne für Magenbitter oder Kräuterschnäpse verwendet wird.
Bärwurz

Erstaunt war ich auch über das wilde Vorkommen der Fetten Henne.
Fette Henne

Unmengen an Berghellerkraut…das auch in Freiberg heimisch ist.
Berghellerkraut

Nun eine Frage an euch…was ist das folgende?

Überall wuchsen Buschwindröschen, Sumpfdotterblumen und Primeln.

Der Aronstab ist eine alte Zauberer- und Hexenpflanze und wurde früher, stark verdünnt, gegen Erkältungskrankheiten verwendet, da er sehr giftig ist. 
Heute nur noch homöopathische Verwendung.
Aronstab an der Uferböschung

Unten 2. von links Aronstab
Ein Hexenkraut, das sicher jeder kennt, wuchs an dieser Stelle flächendeckend…:-)
Es wurde fleißig eingesammelt, zusammen mit Brennesseln.
Eine junge Nachwuchshexe klärte mich auf, wie man Brennnesseln ungefährlich anpacken kann, auch ohne Handschuhe dabei zu haben.
Hexenkraut Giersch
Entlang der Bobritzsch

Wieder zurück im Ort angekommen, wurde noch im kleinen Bach geerntet
Brunnenkresse
Uferböschung mit Schwertlilien

Wieder zurück im Kastanienhof wurde gewerkelt…Kräuter gehackt, Feuer gemacht, Butter mit Kräutern vermischt und Gemüse für die Suppe geputzt
Erstaunlich, was da für eine Menge an verschiedenen Kräutern zusammengekommen ist…
Eine Kräuterhexe war auch des Backens mächtig und hatte ein wunderbar knuspriges Holzofenbrot dabei…und das wurde mit Kräuterbutter bestrichen….sehr lecker…:-)

Auch der Hexennachwuchs war fleißig bei der Arbeit
Hexe in Ausbildung…
Der Herr des Hauses entzündete inzwischen ein gemütliches Lagerfeuer, denn die Abende im Erzgebirge sind frisch…:-) 
während der Mann der Oberhexe ein Feuer unter die Hexenkräutersuppe zauberte.
Das Ergebnis konnte sich sehen lassen…ich habe es genossen.
Obwohl mir bei der gemütlichen Atmosphäre fast alles geschmeckt hätte…:-)
Danke auch an die engagierten Gastgeber Reinhard und Silke.
Ein sehr gelungener Abend, wenn nur die Umleitung nicht gewesen wäre…
also, das Fliegen auf dem Besen lerne ich dann das nächste mal.
Abendstimmung beim Kastanienhof
Dann bis zum nächsten mal, ihr Hexen…
Hexenkräuter verlinkt zu CamUnderfoot #19