Mein ungezähmter Garten von Norbert Griebl

Einmal im Monat nehme ich mir Zeit für eins meiner liebsten Hobbys…..nach neuen Gartenbüchern stöbern. In der obersten Etage meiner Buchhandlung vor Ort gibt es die Rubrik Garten und Naturbücher. Zuerst werden die stolz auf den Büchertischen präsentierten Ausgaben inspiziert. Oft kenne ich die meisten aber schon und dann darf auch mal das Regal herhalten. Hier sortieren die Buchhändlerinnen alles ein, was zwar neu und lesenswert ist, aber nicht unbedingt der ganz große Kassenreißer.

Mein inzwischen geschulter Gartenbuchblick stoppt auf einmal bei dem schmalen schwarz-grünen Buchrücken einer nicht gebundenen Ausgabe. Etwas unscheinbar zwischen all den dicken farbenfreudigen Hardcovern. Der Titel ist entscheidend, dass ich es trotzdem entdeckt habe und sofort mit ins Café nehme zum Stöbern. Es handelt sich um das wunderbare Naturgartenbuch

 Norbert Griebl  ‚Mein ungezähmter Garten‘ . Die 100 besten heimischen Pflanzen zum Verwildern. Erschienen 2017 im Schweizer Haupt-Verlag.

 

Bereits beim ersten Durchblättern fällt mir auf, dass unheimlich viele Abbildungen von Wildblumen und vor allem auch von Schmetterlingen an den jeweiligen Lieblingsblumen zu finden sind. Da das ohnehin  mein Lieblingsthema ist, lese ich mich sofort fest.

Der Autor Norbert Griebl ist von Beruf Gärtnermeister und Kräuterpädagoge. Nach dem Buch ‚Naturnah Gärtnern‘ ist das bereits sein zweites Buch, das im Haupt Verlag erschienen ist. Er lebt in Österreich und beschäftigt sich seit seiner Kindheit intensiv mit Wildpflanzen..

Warum denn nun ein ungezähmter Garten? Ist es nicht zu aufwendig und gar unordentlich? Muss man sich damit vor den Nachbarn schämen? Oder werde ich am Ende arbeitslos als Gärtnerin, weil ich nicht mehr eingreife in das wilde Wachsen?

Norbert Griebl hat darauf eine klare Antwort. In unserer Natur herrscht vielerorts das monotone Bild der übersäuerten Fichtenforste, Hybridpappelplantagen zur Bioenergiegewinnung oder totgespritzte Maisäcker. Um so mehr sind wilde, ungezähmte Gärten ein Refugium für viele verschieden Lebewesen. Sie sind sogar kleine Naturschutzgebiete, in denen unsere Kindern zu Naturforschern werden können.

„Natürlich freut es, wenn man im Frühling einen Rosenstock im Gartencenter kauft und im Sommer zeigt dieser erste Blüten. Noch viel größer ist allerdings die Freude, wenn ein Mohn, eine Akelei oder ein anderes hinreißendes Geschöpf irgendwo wild im Garten, gar in einer Pflasterritze aufgeht und die prächtigsten Blüten zeigt. Für die Menschen, die darin ein Wunder sehen, ist der ungezähmte Garten genau das Richtige…..“ N. Giehl

Zählt ihr euch auch dazu?

Das Buch ist in die Kategorien Einjährige, Zweijährige und Mehrjährige Arten unterteilt. Gleich am Anfang des Buches findet man eine sehr übersichtliche Tabelle der 100 beschriebenen Arten, aus der man u.a. wichtige Informationen über Standortanspüche, den Nutzen für die Insektenwelt und Vermehrungsmöglichkeiten entnehmen kann. Da der Autor sich intensiv mit Kräutern beschäftigt, findet man auch, ob die Pflanze sich als Heilpflanze, Räucherpflanze oder nur als Zierpflanze eignet.

Jeder Pflanze ist eine Doppelseite gewidmet, die überwiegend durch die tollen Fotos anspricht. Ein kurzer Steckbrief der Pflanze wird ergänzt durch Standort bzw. Bodenansprüche, den Nutzen für die Tierwelt und passende Partner.  Ich bin vor allem begeistert von den vielen Schmetterlingsfotos. Die Fotos stammen überwiegend vom Autor selber.

Auch wunderschöne Bergblumen findet man, wie die Echte Kuhschelle, Pulsatilla vulgaris, das Blümchen, dass im Moment meinen Header oben ziert. Oder Dach-Hauswurze, die so genügsam sind und doch wunderbare Blüten für die Insektenwelt bieten. Wildbienen, Hummeln und Schwebfligen lieben sie. Was einigen sicher gar nicht gefallen wird….sie sind auch Futterpflanze für die Raupen des wunderschönen Roten Apollofalters (Parmassius apollo). Aber wo findet man den schon noch, außer direkt in den Alpen?

Im Anhang findet man eine kleine Auswahl an Bezugsquellen für einheimische Pflanzen und Saatgut.

Für Leser, die noch am Anfang des Gärtnern stehen und Leser, die sich nicht so gut mit Schmetterlingen oder Insekten  auskennen, hätte ich mir einen Bildangabe auf oder direkt unter dem Bild gewünscht. So braucht man  fast ein Bestimmungsbuch zusätzlich, um es herauszufinden. Die Pflanzabbildungen sind allerdings alle genau unter dem Foto beschriftet.

Für mich ein unbedingt empfehlenswertes Buch, dass man immer wieder zur Hand nehmen kann. Es bietet sich an zum gelegentlichen Stöbern nach Lieblingsblumen und macht sich wunderbar als Geschenk für alle Freunde der unaufgeräumten  und ungezähmten Gärten.

Mein ungezähmter Garten, Norbert Griebl
Die 100 besten heimischen Pflanzen zum Verwildern

ISBN: 978-3-258-08001-7

1. Auflage 2017
232 Seiten, 517 Farbfotos, 1 Tabelle
Klappenbroschur, 15,5 x 22,5 cm, 595 g
Haupt Verlag
CHF 35.90 (UVP) / EUR 29.90 (D) / EUR 30.80 (A)

 

Verlinkt zur Gartenbuchparade im Hauptstadtgarten

Naturdonnerstag bei Jahreszeitenbriefe

Anmerkung: Wenn das Buch über diesen Link bestellt wird, erhalte ich  keine Provision. Ich biete diese Links nur bei Büchern und Produkten an die ich empfehle und selbst gelesen oder benutzt habe. Ich mache keine Gefälligkeitsrezensionen. Links zu Büchern und Produkten von denen ich nicht überzeugt bin, biete ich nicht an. Das Buch wurde mir vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Alle Rechte des Coverfotos und der weiteren abgebildeten Fotos liegen beim Verlag.

 

 

 

 

 

22 Antworten auf „Mein ungezähmter Garten von Norbert Griebl“

  1. Schönes Buch! Mal etwas anderes. Ich kann keine Hochglanzgärten mehr sehen, das entspricht nicht meiner Lebensrealität. Obwohl – es kommt immer darauf an. Ich hab auch ein neues Buch, ich sollte es wohl mal vorstellen. Hab es mir aus GB kommen lassen. Aus einer Ecke, über die man sonst nicht so viel spricht, schöne Gärten.
    Übrigens, meine Katzen sind keine Schmusetiger. Fraser fängt sogar Ratten.

    Sigrun

  2. Auch ich kann keine Hochglasseiten mehr sehen.

    Mir scheint es ganz gut zu sein, obwohl ich einiges an schönen Gartenbüchern, bzw. Bestimmungsbüchern habe.

    Auch der Alant ist drin und den habe ich neulich auf dem Langhans in Beilstein im Kräutergarten gesehen, natürlich nicht blühend und etwas „frostig“, aber es stand daneben. :-))
    Sonst hätte ich das nicht erkannt.

    Alles in allem scheint es ein schönes Buch zu sein.

    Lieben Gruß Eva
    die allerdings soooo viele Bücher hat, auch Gartenbücher, wohin damit?

    Allerdings darf man auch nicht vergessen, dass Bücher etwas sujektives sind, das sieht nun mal jeder anders.

    :-))

    Lieben Gruß Eva

  3. …das klingt interessant, liebe Sigrun,
    das kommt mal auf meine Wunschliste…auch wenn unser Garten auf dem Weg ist, kann ich noch so viel über Pflanzen lernen…bisher gärtnere ich ja meist nach Bauchgefühl, aber nachlesen und inspirieren lasse ich mich gerne,

    liebe Grüße Birgitt

  4. Liebe Sigrun,
    das ist ein Buch, absolut nach meinem Geschmack! Mein Gärtchen ist klein, aber es darf so gut es geht, wild wachsen! Ich freue mich auch immer wieder, wenn ausgefallene Samen im nächsten Jahr an Stellen aufgehen, wo man gar nicht damit rechnet :O)
    Danek für diesen wunderbaren Buchtipp! Das Buch findet auf jeden Fall ncoh Platz im Bücherregal ;O)))
    Hab einen schönen und entspannten Wochenteiler ☆.¸¸.•´☆!
    ♥ Allerliebste Grüße, Claudia ♥

  5. mir wäre es ja sehr recht wenn der garten ausschliesslich für sich selbst sorgen würde 😀
    klappt allerdings nur in ansätzen – aber auch die sind schon sehr entspannend und ausserdem entspricht das meinen ästhetischen bedürfnissen – nackte erde ist mir ein graus….. (mulchflächen ebenfalls)
    was andere von meinem garten denken oder reden ist mir wurscht – ich geh ja auch im knielangen schottenrock wandern 😉
    xxxx

  6. Das kann ich mir gut vorstellen, dass das Buch dir gefällt. Ich würde auch mal drin stöbern.
    Bei mir trifft es die Mitte, wahrscheinlich ist es für einige Nachbarn zu unordentlich für einen Stadtgarten. Ich kultiviere gerne Lieblingsblumen, lass aber auch wuchern und „Unkraut“ stehen.
    Liebe Grüße

  7. Also, so ganz ungezähmt geht es bei mir doch nicht zu! Was gefällt, darf sich aber weiterhin ausbreiten. Manchmal schreite ich aber doch ein wenig ein…
    Ich denke eine gesunde Mischung ist für mich das Richtige!
    Viele Grüße von
    Margit

  8. Klingt ja sehr interessant, liebe Sigrun. Das mit der „Bildangabe“ habe ich nicht richtig verstanden. Meinst Du damit, dass die abgebildeten Schmetterlinge nicht in den Bildunterschriften genannt werden? Das wäre tatsächlich schade, weil ich gerade diesen Punkt sehr wichtig finde. Erst letzte Woche habe ich einen Vortrag über den Rückgang der Schmetterlingspopulationen gehört – das ist wirklich drastisch. Der Apollofalter ist kurz vor dem Aussterben 🙁 Das Buch werde ich mir trotzdem mal anschauen. In Freising gibt es glücklicherweise noch eine Buchhandlung mit großer Gartenbuchabteilung. Da ist liegt das bestimmt aus. Gestern kam übrigens das Frühjahrsprogramm vom Haupt-Verlag, da sind wieder sehr spannende Bücher dabei, unter anderem ein Titel „Schmetterlinge in meinem Garten“ – falls Du das Thema vertiefen möchtest 🙂 Liebe Grüße von Martina

  9. Liebe Sigrun, ein Buch, das eher Back to the roots geht, ist wirklich toll. Sigrun hat mit ihrem Kommentar nicht Unrecht, viele Bücher beschäftigen sich nur noch mit Hochglanzgärten, die aber in dieser Form im Allgemeinen nicht existieren. Vielen Dank für die tolle Buchvorstellung.

    LG Kathrin

  10. Danke liebe Sigrun,
    das Du dieses Buch vorgestellt hast! Kannte ich in der Tat noch nicht. Eigentlich ein Must-Have für Hortusianer, oder? Der Kauf wird aber zunächst zurückgestellt, habe gerade 3 ältere Bücher von R. Witt bestellt.
    Liebe Grüße
    Karen

  11. Hallo Sigrun,
    ich habe es auch zu Hause. Es stimmt, die Bildunterschriften zu den Insekten fehlen leider. Den Apollo soll es irgendwo an der Mosel geben. Aber ihn in den Garten zu bekommen ist für unsereinen leider unmöglich.
    VG
    Elke

  12. Hallo Sigrun, danke für deine Buchvorstellung.
    Wir haben zwar viele Schmetterlinge im Garten aber die Namen weiß ich bei einigen nicht.
    Naturnahe Gärten sind mir auch viel lieber wie sterile. Sie strahlen einen ganz besonderen Charme aus.
    Eine schöne Woche Susanne

  13. das scheint ein sehr interessantes Buch zu sein
    schön dass du es vorstellst
    mein Gärtchen ist leider zu klein ..
    oben auf einer Seite sieht man einen schwarz weißen Falter ..
    den Segelfalter..
    den gibt es bei uns 😉
    einen habe ich soagar schon leibhaftig gesehen.. 😉
    das ist aber auch schon wieder 4 Jahre her
    liebe Grüße
    Rosi

  14. Guten Morgen Sigrun,
    dieses Büchlein ist wirklich etwas ganz anderes und ja auch ich habe mehr einen naturnahen Garten (ein Nachbar ist der wirklich ein Dorn im Auge), aber wenigstens lebt er. Dieses Jahr waren dennoch viel weniger Insekten bei mir anzutreffen …
    Merken werde ich mir das Buch auf jeden Fall mal – ich habe zwar schon so einige, aber es gibt Bücher die kann man nicht genug haben 😉 Und es ist noch so stylisch – das mag ich besonders!
    Du hast bei Deinem Besuche nach dem finnischen Weihnachtsessen gefragt, ich habe so ziemlich in meiner Anfangszeit einen Beitrag dazu geschrieben, den Link habe ich Dir mal mitgebracht (ich hoffe es stört Dich nicht), sonst bitte löschen:
    https://123design-me.blogspot.de/2015/12/alle-jahre-wieder.html

    Bis auf den Weihnachtsschinken habe ich alles aufgeführt was dazu gehört 😉
    Liebe Grüße und einen schönen 3. Advent wünscht
    Kirsi

  15. Liebe Sigrun,
    vielen lieben Dank für den tollen Beitrag zur Gartenbuch Blogparade. Ich gehöre zeitbedingt von Haus aus zu den Leuten mit ungezähmtem Garten (manchmal zum Leidwesen unseres Vereinsvorstands) – den Garten von vornherein „wild anzulegen“ finde ich einen großartigen Ansatz.
    Herzliche Grüße,
    Caro

  16. Liebe Sigrun,
    danke für die Buchvorstellung.
    Wir haben auch einen „ungezähmten“ Garten und freuen uns über alles, was da wächst. So haben Vögel den kalifornischen Mohn in unseren Garten gebracht, der bis vor ein paar Wochen, bevor der erste Frost kam, noch geblüht hat und da könnte ich noch mehr aufzählen…Kermesbeere…
    Leider ist unser Garten nicht so groß…
    Und leider war auch Dein Bergblumengarten aus meinen „unendlichen Weiten“ in meiner Sidebar verschwunden….ich habe in dieser Liste aufgeräumt und ein Klick zuviel gemacht…sorry…
    Aber nun habe ich Dich wieder verlinkt und freue mich weiter über Deine schönen und interessanten Beiträge,
    wünsche Dir einen gemtülichen 3. Advent und schicke liebe Drosselgartengrüße mit.
    Herzlich Traudi.♥

  17. So eine Gärtnerin war ich auch schon immer. Der jetzige Garten ist zwar ein wenig gezähmter, aber bei genauem Hinschauen sieht man dann doch den Wildwuchs. 😉 Stößt allerdings so manchen auf und ich höre immer wieder „diese viele Arbeit“, womit gemeint ist, was ich doch alles noch zu tun hätte, wenn ich es denn tun WÜRDE … jäten und nochmals jäten, am besten totspritzen … denn das UNKRAUT wächst mir ja davon! Ohgottohgott, bloß nicht in die Gärten der anderen, die sich dagegen mit Steinen wehren. 😉 ;o)

    Liebe Grüße auch hier
    Sara

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