Saatgutfestival Nürnberg 2018

Beinahe hätte ich es vergessen, wenn mich Facebook nicht Samstag morgen an diese Veranstaltung erinnert hätte. Das Nürnberger Saatgutfestival im Rahmen der BIOFACH (Weltleitmesse für Bio-Lebensmittel) wollte ich doch unbedingt besuchen. Samen habe ich zwar mehr, als ich aussäen kann, aber so ein Ereignis und dazu noch um die Ecke, wollte ich mir nicht entgehen lassen. Dass ich ohne Samentüte nach Hause fahren würde, habe ich mir lieber gar nicht erst vorgenommen.

Ehrlich gesagt habe ich noch nie so viele verschiedene Samentüten an einem Ort versammelt gesehen. Natürlich bleibt man gleich am ersten Stand hängen, was bei mir der Demeter-Raritäten-Stand war. Hier gab es vom Gärtnerhof Ochsenherz aus Österreich besondere Gemüsesorten, die man nicht überall finden kann. Nun möchte ich probieren, wie sich die Zwiebel ‚Ochsenherz‘ (kannte ich bisher nur als Tomate) bei mir im Garten macht. Man kann ja Zwiebeln auch aussäen. Eine Sorte, die ursprünglich aus Italien stammte.

Bemerkenswert finde ich folgende Aussage des Gärtnerhofs:

„Der Ochsenherz Gärtnerhof ist ein landwirtschaftlicher Betrieb und keine professionelle Saatgutfirma! Unser Betrieb arbeitet nicht gewinnorientiert sondern ist als CSA (Community supported Agriculture) organisiert. Das von uns angebotene Saatgut wird gegen Aufwandsentschädigung in Portionsmengen abgegeben und kann von jedem Nutzer / jeder Nutzerin selber weitervermehrt werden. Wir sehen es als unseren Beitrag zum Erhalt und zur Erweiterung der Sortenvielfalt an.“

Faszinierend fand ich den Stand von der Bioland-Staudengärtnerei Oberrieden aus Altdorf bei Nürnberg, die mit einer riesigen Tomatensamen-Auswahl dabei war. Wenn du hier eine Tomatensorte mitnehmen wolltest, wurde der Samen direkt aus dem Tomatensamenbuch ausgeschnitten.

Wenn ich nicht schon so viele Tomatensamen hätte, wäre ich hier schwach geworden. Besonders interessant fand ich die Sorte ‚Lukullus‘, die als vielleicht älteste Tomatensorte Anfang des 20. Jahrhunderts zu uns kam. Na, vielleicht später mal….meine Freunde haben die ‚Frankenstolz‘ mitgenommen. Da werde ich bestimmt auch ein paar Körner  bekommen.

Einer der Hauptgründe meines Kommens war die Anwesenheit einiger der fränkischen Hortus-Gärtner. Es wurden fleißig Hortus Flyer unter die Leute gebracht und ich habe mich gefreut, Markus Gastl (Gründer des Hortus-Netzwerkes) nach seiner langen Sri-Lanka-Fahrradreise zu treffen.

Es gab eine riesige Staudenkiste mit Wildstaudensaatgut der GdS (Gesellschaft der Staudenfreunde), in der man nach Herzenslust kramen durfte (alles auf Spendenbasis). Initiator Stefan Strasser vom Hortus Lilium aus Erlangen und Vorsitzender der GdS.

Fotografiert habe ich den Stand der Freie-Saaten.org e.V. , .“..einer nichtkommerziellen Gesellschaft im Dienste des Erhalts sowie der Verfügbarkeit pflanzlicher und tierischer  Ressourcen im Sinne von Allgemeingut für die Allgemeinheit.

Freie Saaten sucht, sammelt, passt regional an und vermehrt diese genetischen Ressourcen und stellt sie der Allgemeinheit zur Verfügung.“

Am Stand des BUND für Naturschutz erstand ich zwei Samentüten ebenfalls auf Spendenbasis…Mariendistel und Johanniskraut. Am Nachbarstand griff ich Herzgespann und den Kaukasischen Gamander aus der Kiste. Die wollte ich schon immer mal im Garten haben.

Leider haben einige Stände zwar sehr hübsch bedruckte Samentütchen im Angebot gehabt, aber manche haben die Herkunft vergessen mit drauf zu schreiben. Also auch noch ein Algiersalat von unbekannter Quelle.

Viel mehr kann ich hier fast nicht in einen Post unterbringen.

Also, schaut unbedingt mal, ob in eurer Nähe nicht auch eine Saatguttauschbörse stattfindet. Die Vielfalt an Saatgut ist unbeschreiblich groß. Falls nicht, gibt es zahlreiche Online-Anbieter für ökologisches Saatgut, wie Dreschflegel, Arche Noah, Bingenheimer, Sativa uvm.

Zieht solche Angebote unbedingt den Spontankäufen in Supermärkten und Gartencentern vor. Unterstützt es, dass der Europäische Gerichtshof 2012 entschied, dass Europas Bauern auch weiterhin Saatgut aus alten, nicht amtlich zugelassenen Pflanzensorten selbst herstellen und vermarkten dürfen. Gegen Gentechnik und für Biodiversität. Denn wer will schon im Garten das selbe langweilige Gemüse anbauen, dass uns schon täglich im Supermarkt begegnet. Mehr dazu auch hier: www.vielfalterleben.info

www.nutzpflanzenvielfalt.de

Wer unter die Samengärtner gehen möchte, dem empfehle ich auch noch mal das vorgestellte Buch vom letzten Post.

Mir raucht noch ziemlich der Kopf von den vielen Samensorten…jetzt muss ich mich sputen und schnell den Chili aus meiner ‚Samenbank‘ und die neuen Zwiebeln aussäen.

In Franken, genau gesagt in Bamberg gibt es am 17.03.2018 schon die nächste Veranstaltung:

Weil ich hier schon Pläne schmiede, wie das neue Gartenjahr möglichst naturnah gestaltet werden kann, verlinke ich den Beitrag zu

Amely- Pfauenauge 

ANL #26 bei Traude-Rostrose

Naturdonnerstag bei Jahreszeitenbriefe

23 Kommentare bei „Saatgutfestival Nürnberg 2018“

  1. Liebe Sigrun,
    was für eine Auswahl! Da weiß man ja gar nciht, wo man beginnen soll ;O) Das war sicher toll auf diesem Festival!
    ღ Ich wünsche Dir einen guten Start in eine schöne neue Woche! ღ
    ♥ Allerliebste Grüße , Claudia ♥

  2. danke für den informativen bericht! ich hab gleich mal geschaut ob es hier in der nähe auch eine tauschbörse gibt und bin fündig geworden! leider neige ich auch dazu, mich von den bunten bildchen der samentüten im gartencenter und co. beeindrucken zu lassen. nachdem ich aber gelesen habe, dass monsanto inzwischen mit vielen samenfirmen in zusammenhang gebracht wird, werde ich das in zukunft auf jeden fall unterlassen.
    liebe grüße
    mano

  3. Liebe Sigrun,
    ganz in deinem Element, dass dir das gefallen hat, kann ich mir gut vorstellen.
    Ober das Foto mit dem Samen ist so schön, ich dachte zuerst an Knöpfe.

    Ich kann nicht mit reden, aber ich möchte einen Kommentar bei dir hinterlassen.

    Hab eine schöne Woche und ich sende dir einen lieben Gruß Eva-Maria

  4. Das ist ja der Knaller!!!! So viele Samentüten auf einem Haufen! Da ist es schwierig, den Überblick zu behalten!
    Viele Grüße von
    Margit

  5. Liebe Sigrun,
    vielen Dank für deine eindrücklichen Fotos der Saatgutbörse. Uups, da merke ich doch soeben, dass ich die unsrige in der Stadt um eine Woche verpasste. Aber beim googlen nach dem Ort und Datum fand ich eine Homepage eines neugegründeten Vereins, der Urban Gardening betreibt und sich gegen Foodwaste einsetzt. Toll, dank deinem Hinweis gefunden!
    Dir einen guten Wochenstart und
    liebe Grüsse
    Eda

  6. Liebe Sigrun,
    ein echtes Erlebnis war das ja und jedem Gärtner geht dort sicher das Herz auf bei einer solch großen Auswahl.
    Guten Wochenstart und lieben Gruß
    moni

  7. Hallo Sigrun,
    auwei – das wäre ja nichts für mich gewesen. Ich fürchte, ich wäre sofort in einen Kaufrausch verfallen. Schöne Sachen gibt’s da!
    Viele Grüße,
    Krümel

  8. Liebe Sigrun,
    wie gerne wäre ich dort gewesen! Allerdings hätte ich mich bestimmt nicht beherrschen können und blind vor Verzücken taschenweise Samentüten nachhause geschleppt. Dabei habe ich fürs Frühjahr schon alles beisammen, vom Bingenheimer geliefert.
    Aber den Markus, den hätte ich natürlich gerne persönlich getroffen.
    Liebe Grüße
    Karen

  9. Hallo Sigrun,
    das ist ja Wahnsinn, was man da alles bekommen kann. Algiersalat, noch nie gehört, aber da ein Schmetterling drauf sitzt, kann er nicht verkehrt sein.
    VG
    Elke

    1. @Elke, wegen dem Schmetterling habe ich den Salat auch gekauft. Ansonsten war ich von dem Angebot echt überfordert. LG Sigrun

  10. Hallo Sigrun,
    obwohl ich nichts mit Sämereien am Hut habe, wäre es sicher interessant gewesen dort einmal dabei zu sein. Die bunten Bohnen in deinem Header sehen total klasse aus …. viel zu schade, um in die Erde zu stecken. 😉
    Lieben Gruß, Marita

  11. …Saatgutfestival ist ein tolles Wort, liebe Sigrun,
    ich glaube, mich hätte diese Vielfalt auch überfordert und ich wäre am Ende gar ohne Tütchen nach Hause gegangen…dein Headerbild mit der Schatzkiste sieht toll aus,

    liebe Grüße Birgitt

  12. Ein Saatgutfestival! Das ist ja mal eine tolle Idee! Und die passt natürlich auch wieder gut zur Velrinkung bei ANL, liebe Sigrun – denn „essbare Gärten“ sind heute wichtiger denn je 🙂
    Herzliche Rostrosen-Grüße, Traude

  13. Also hier hätte ich auch gerne herumgestöbert!
    Ich versuch mal herauszufinden, ob es in meiner Gegend auch eine Samenbörse gibt.
    Hast Du die Bohnen in der Kiste selbst gesammelt? Die sehen wie hübsche Perlen aus. Würden bestimmt eine hübsche Kette ergeben.
    Liebe Grüße Sigrid

    1. Ja, Sigrid, sie sehen wie Schmuck aus. aber ich habe nur ein Foto gemacht. Schau mal, ich habe die Bamberger Veranstaltung noch ergänzt. Das ist ja für dich nicht so weit. LG Sigrun

  14. Da freue ich mich sogar beim Lesen deines Textes über deine vielen interessanten Entdeckungen 🙂

    Herzliche Grüße von Heidi-Trollspecht

  15. verstehe vollkommen, dass du dich gefühlt hast wie ein kind im süsswarenladen ;-D
    und ich bin sehr froh dass es so viele enthusiasten gibt, die sich ums vermehren und vertreiben des sortenreichtums kümmern!
    auch hier – man staune – gibt es samen- & pflanzentauschbörsen auf den dörfern und gärtnereien die sich um alte sorten bemühen…..
    xxxx

  16. Ein Eldorado für alle Gartenbesitzer !
    Schon Wahnsinn, was es für eine Auswahl gibt!
    Einen lieben Gruß schickt
    Jutta

  17. Liebe Sigrun, so eine Saatguttauschbörse ist ja eine tolle Sache! Ich finde es wirklich gut, dass es so viele Menschen gibt, die die alten Sorten bewahren und weitergeben. Die Vielfalt an Geschmack, Form und Farbe sollten wir uns nicht entgehen lassen:)
    Liebe Grüße,
    Amely

  18. Wahnsinn, was es alles an Samen zu kaufen gibt. Da findet sicher jeder etwas für seinen Garten. Die samen vom ersten Bild sehen fast aus wie Perlen, richtige Hingucker.

    Liebe Grüße
    Arti

  19. Umweltgerecht und Naturnah gärtnern fängt mit dem richtigen Saatgut an. Gemüse beziehe ich bei einem Demeter Hof. Ich kann immer noch eigenen Salat im Garten ernten.
    L G Pia

  20. Was für eine Auswahl! Von manchen könnte man sogar Schmuckstücke fertigen, so schön sehen sie aus. Bei mir reicht es ja nur für ein paar Küchenkräuter in Töpfen, da ich keinen Garten habe.
    Liebe Grüße, Angelika

  21. Meine Güte, das ist ja was fürs Auge und fürs Herz…… Was für ein Unterschied zu den Supermarkt-Samentütenständern. Toll, dass das so verbreitet Schule macht. Und du bist ja schon eine der Erfahrenen im Ziehen aus Samen… Bei Blumen kriege ich das auch ganz gut hin, bei Gemüse weniger… Liebe Grüße Ghislana

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