Natur,  Naturgarten

Blühende Gemeinde Röttenbach

Blühende Gärten für Bienen, Hummeln, Schmetterlinge & Co.

Seit August 2016 bin ich in Röttenbach/ Mittelfranken zu Hause und es war nicht schwer, sich schnell wohl zu fühlen. Obwohl es Zufall war, dass wir hierher gezogen sind, habe ich mich von Anfang an am richtigen Ort gefühlt. Es war nicht nur die traumhafte Natur, von der der Ort umgeben ist oder die Nähe zu Erlangen sondern auch das grüne und blühende Röttenbach, das zusätzlich zu den unzähligen Weihern das Auge erfreute.

BN Weiher in Röttenbach

Mein erster Ausflug, im August 2016, führte mich an den Weihern vorbei zum Bäcker. Ein Schild sorgte gleich für meine Aufmerksamkeit. Ein Weiher, der vom BUND Naturschutz bewirtschaftet und gepflegt wird. Der Aischgrüner Karpfen ist ja ein geografisch geschützter Markenname und muss bestimmte Bedingungen erfüllen, um vermarktet zu werden. Der BUND hat nochmal andere Ansprüche an den Weiher und hier fühlen sich viele Tiere und Pflanzen wohl. Dieses Jahr brütete dort ein Schwanenpärchen, das nun 7 Junge hat, ein Blesshuhn mit reichlich Nachwuchs und manchmal schwimmt eine Bisamratte herum. Morgens oder Abends kann man regelmäßig den Graureiher dort beobachten.

BN – Weiher mit brütendem Schwan, 2019

Es gab allerdings auch Blühflächen vom BUND Naturschutz, die man an den Schildern des Netzwerks blühende Landschaft erkennen konnte.

Ehemalige Blühfläche des BUND 2016

Gartenbauverein Röttenbach

Gleich daneben befindet sich das Naschgärtla des Obst- und Gartenbauvereins der Gemeinde. Hier dürfen auch mal Schulkinder säen, pflanzen und ernten und es werden Familienfeste gefeiert. Das Gelände hat zusätzlich blühende Wildrosenhecken und Beerensträucher außen um die Wiese herum. So ist es gleichzeitig ein Refugium für die Vogel- und Insektenwelt. Dieses Jahr wurde die Wiese so gemäht, dass nur ein schmaler Laufweg gemäht wurde. Der übrige Bereich blieb ungemäht und es blühte….. und blüht gerade immer noch wunderbar. Das funktioniert so nur durch die sehr gute Zusammenarbeit zwischen dem Bürgermeister, dem Bauhof und dem Verein.

Das Naschgärtla wurde finanziell durch den Bürgermeister Ludwig Wahl unterstützt. Schulkinder haben die Ringe der Hochbeete bemalt und bepflanzt und um die Fläche der Obstbäume kümmert sich der Bauhof. Gerade bei dem heißen Sommerwetter wird dort auch alles bewässert.

Naschgärtla August 2016, Wiese abgemäht, noch ohne Grillplatz
Naschgärtla vom Gartenbauverein mit Grillplatz, 2019
Naschgärtla im Frühjahr 2019, ungemähte Wiese

Auf der Wiese befinden sich Streuobstbäume bzw. der Baum des Jahres. So wird es jedes Jahr ein Streuobstbaum mehr, bis die Wiese voll ist. Nur die Flatter-Ulme, der Baum des Jahres 2019, erhält einen neuen Standort, da sie zu groß wird. Es wird wahrscheinlich ein Platz am neu gestalteten Gemeindezentrum werden.

Streuobstbaum des Jahres, Ulmer Butterbirne

Gegenüber wurden gerade mehrere neue Blühstreifen angelegt, einer davon vom Gartenbauverein. Hier wird mal getestet, ob Saatgut auf einer Sandfläche ausgebracht werden kann, wenn der Rasenbewuchs untendrunter unterdrückt wird.

Mein Weg führte mich weiter zur Sparkasse im Ort. Dort blühte es im August in einer langen Staudenrabatte, der man auf Anhieb ansah, dass sie mit viel Liebe und Staudenkenntnis angepflanzt worden ist. Eine Blühfreude, nach dem abrupten Verlassen meines alten Gartens und der grünen Wiese im neuen Garten. Hier erfuhr ich erst viel später, seit ich selber Mitglied im Gartenbauverein bin, dass diese Rabatte von Bettina Badstuber aus dem Verein angelegt worden ist. Sie ist Landschaftsgärtnerin und Gartenplanerin in der Staudengärtnerei Augustin.

Auf dem Weg in den Wald, in Richtung des Neuhauser Kellers, fiel mir eine Streuobstwiese auf, die voller seltener Apfel- und Birnbäume stand. Historische Sorten. Ein Schild verwies ebenfalls auf den Gartenbauverein Röttenbach. Ein Ort zum Verweilen, mit einer Sitzbank und Tisch und einer wunderbaren Aussicht über das Umland bis hin zur Fränkischen Schweiz. Wann immer meine Leipziger Schwester mich besucht und das Wetter es zulässt, schnappt sie sich ein Buch, einen Kaffee in der Kanne und genießt es, dort zu sein.

Streuobstwiese des Gartenbauvereins Röttenbach
So blüht es neben der Streuobstwiese

Projekt Sandachse Franken

Eine weitere erfreulich blühende Fläche mit heimischer Natur war die Sandfläche am Rand des Wohngebiets entlang der Schulstraße. Hier befand sich eine Blühfläche der Sandachse Franken, die inzwischen leider verschwunden ist.

Sandachse Franken, Röttenbach 2017

Flyer ‚Blühende Gemeinde Röttenbach‘

Nun, nach 3 Jahren, habe ich mir gewünscht, auch etwas zum blühenden Röttenbach beitragen zu dürfen, hatte aber noch keine Idee, wie das aussehen könnte. Daher bin ich dieses Jahr Mitglied im BUND der Ortsgruppe Röttenbach-Hemhofen und im Gartenbauverein geworden.

Es war ein Glücksfall, dass der Bürgermeister auf mich zugekommen ist und mir ein Projekt übertragen hat, das ursprünglich anders gedacht war. Im Gespräch war bei vielen Mitgliedern des Vereins, ob man die modern gewordenen Steingärten bei Neubauten nicht verbieten sollte. Für den Bürgermeister war das keine Option. Er möchte lieber dazu anregen, wie man insektenfreundliche Gärten gestalten könnte.

Daraus ist dieser Flyer ‚Blühende Gemeinde Röttenbach‘ entstanden, der heute zusammen mit der Samentüte ‚Konrad und Mohni‘ vom ‚Netzwerk Blühende Landschaft‘ (Saatgut Rieger Hofmann) im Briefkasten der Röttenbacher sein wird. Ich freue mich über die wunderbare Zusammenarbeit mit Meike Ambrosy-Anding von der Öffentlichkeitsarbeit der Gemeinde Röttenbach. Wenn der Flyer auf der Gemeindeseite zum Download bereit steht, werde ich den Link unten ergänzen. Im Moment ist er nur in Papierform erhältlich.

Zertifizierung von Naturgärten in Bayern

Der Juni hat aber noch mehr Überraschungen gebracht. Ich durfte als Juror des Gartenbauvereins einen Lehrgang an der LWG (Landesanstalt für Wein- und Gartenbau Veitshöchheim) zum Zertifizieren von Naturgärten in Bayern absolvieren. Danach wird die Plakette ‚Bayern blüht – Naturgarten verliehen, wenn man die Bedingungen erfüllt. Mehr Infos dazu beim Klick auf die Plakette in der rechten Seitenleiste. Das schönste am Lehrgang war der Praxisteil, da wir drei Naturgärten in Bamberg und Umgebung besuchen durften. Nun hoffe ich auf zahlreiche Bewerber…;-)

Weiterführende Links zu dem Projekt: Zertifizierung von Naturgärten durch Kreisverband und Kreisfachberatung

Verlinkt zu Naturdonnerstag bei Ghislana/ Jahreszeitenbriefe

16 Comments

  • Rosi

    wow
    das find ich aber super
    dass du dich im neuen Ort so aufgehoben fühlst
    und auch gleich Anschluss bekommen hast

    die Gemeinde ist ja wirklich sehr rührig
    und es sind tolle Projekte am Laufen

    liebe Grüße
    Rosi

  • moni

    Liebe Sigrun,
    da wird aber wirklich sehr viel, sehr engagiert und sehr fachmännisch etwas für die Natur und deren Erhaltung getan. Wie schön, dass Du Dich dort aufgenommen und mitgenommen fühlst. Besser geht es doch nicht, gell.
    Liebe Grüße
    moni

  • Christa Jäger

    Liebe Sigrun,

    das ist schön zu lesen, dass sich doch viele Gemeinden engagieren und etwas für die Natur tun, Naturwiesen länger stehen lässt und zusätzlich noch Samen ausbringt, damit Insekten etwas zu schmausen haben.

    In einem solchen Ort fühlt man sich dann auch wohl. 🙂

    Lieben Dank für den feinen Rundgang, der mir viel Freude bereitet hat.

    Liebe Grüße und dir noch einen schönen Nachmittag
    Christa

  • jahreszeitenbriefe

    Na, kannst du dir denken, dass das ein Post so ganz nach meinem Geschmack ist für den Naturdonnerstag, und ich hoffe sehr, viele lesen ihn, ich werde ihn nochmal an geeigneter Stelle an einem Naturdonnerstag verlinken. Schön, dass dank des Obst- und Gartenbauvereins u. a. in Röttenbach viele schon mal offen sind für naturnäheres Gärtnern. Wunderbare Initiativen und Bilder. Und wir toll, dass du da selber mit Hand anlegst und eure Organisationen sich Gehör verschaffen können. Hach, das dauert mir hier alles viel zu lange… Liebe Grüße und dankeschön! Ghislana

  • kleiner-staudengarten

    Liebe Sigrun,
    das hört sich ja sehr vielversprechend an, dass viele Vereine etc. dazu beitragen eine blühende Gemeinde zu präsentieren. Und klasse, dass du dich so wohlfühlst und entsprechend einbringen kannst. Hier würde ich mir das auch wünschen…zumindest hat meine Stadt vor kurzem den Klimanotstand ausgerufen und berücksichtigt nun bei allen Ratsbeschlüssen die Umweltverträglichkeit und weitere Aktionen zur Bekämpfung des Klimawandels.
    Ich hoffe, dass jetzt viele Maßnahmen angestoßen werden.
    Lieben Gruß, Marita

  • ninakol.

    Steinobstwiesen, Wiesen die mit den natürlich vorkommenden Blumen blühen, kleine Inseln mit Blumen, Beeren, Obst… Eigentlich so einfach, wenn mehr mitmachen. Kein Wunder, dass Du Dich wohl fühlst.
    Liebe Grüße
    Nina

  • Claudia

    Liebe Sigrun,
    da können sich aber ganz viele eine dicke Scheibe abschneiden! Ich finde das toll, daß bei Euch SOVIEL für die Hummeln, Bienen und Insekten gemacht wird! herrlich, soviel schöne bunte Fleckchen voller Nahrung für die fleissigen Wesen! Da muss man sich einfach wohlfühlen :O)
    Hab einen schönen Tag und einen guten Start in ein hoffentlich angenehmes Wochenende!
    ♥ Allerliebste Grüße, Claudia ♥

  • Pia

    Toll hoffentlich finden sich viele Nachahmer. Es heisst ja dass man sich dort wohl fühlt wo das Herz aufgeht. Und mit Gleichgesinnten gemeinsam etwas sinnvolles bewirken macht auch viel mehr Freude.
    L G Pia

  • Kirsi

    Liebe Sigrun,
    meine Mutter war vor Kurzem in Bayern und schwärmte von Wiesen so weit das Auge reicht, hier gibt es das allerdings nicht so häufig.
    Toll was Eure Gemeinde alles so auf die Beine stellt und das Du solche ein Zertifikat erhälst ist mir total klar gewesen (auch wenn ich davon jetzt das erste Mal höre 😉 aber Du hast solch ein Wissen und so schöne Gartenbeiträge. Und jetzt zertifizierst Du auch andere Gärten, ist das richtig?

    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende, bei Euch gab es ja noch keine Abkühlung, wir hatten Glück, gestern und heute ist es angenehm kühl, ab morgen kommt die Hitze aber wieder,

    Kirsi

  • Elke Schwarzer

    Hallo Sigrun,
    im Süden macht man anscheinend mehr für Insekten als in NRW. Oder es kommt einem nur so vor, hier in der Großstadt, wo mehr zugebaut wird als mal eine Blumenwiese angelegt?
    Natternkopf gibt’s immerhin noch an den Bahnhöfen… 😉
    Viele Grüße
    Elke

  • Bianca

    Liebe Sigrun, was für wundervolle Biotope und bewusst geschützte Lebensräume- mit deinem Wissen und deiner Liebe zur Natur haben sie sich eine tolle Verstärkung ins Boot holen können- der Flyer sieht super aus! Danke für diese Einblicke! Viele liebe Grüße und habt ein wunderschönes Wochenende, Bianca

  • Barbara Gerlach

    Hallo Sigrun,
    das hört sich mega spannend an. In so einer Gemeinde möchte ich auch wohnen. Bei uns sieht es da anders aus, aber das hat Marita, vom Kleinen Staudengarten, ja auch schon geschrieben.
    Zu mindestens sind in den neuen Baugebieten die Geröllfelder jetzt verboten. Wenigstens etwas.
    Liebe Grüße
    Barbara

  • Heidi Trollspecht

    Danke für den schönen Spaziergang durch Röttenbach, und auch für die vielen interessanten Informationen. So wie du alles beschreibst, muss man unbedingt mal nach Röttenbach fahren 🙂 Schön sieht alles aus – und dann auch alles so naturfreundlich.
    Ja, da hast du das richtige neue Zuhause gefunden Sigrun. Und mit deiner Aktivität wirst du für die Natur auch in dieser Gegend eine große Bereicherung sein.

    Herzliche Grüße von Heidi-Trollspecht

  • Krümel

    Liebe Sigrun,
    klasse, dass bei Euch so viel getan wird. Schön dass eine Gemeinde erkannt hat, dass man auch mit kleinen Projekten helfen kann. Bei uns beschränkt sich der örtliche OGV lediglich auf das Zurückschneiden der Wassertriebe am Neckarufer und auf zwei Blühstreifen die vor Jahren mal angelegt wurden. Sonst bleibt es hier jedem selbst überlassen was er für die Insekten tut. Ich hatte auch schon darüber nachgedacht dem OGV beizutreten, aber dem DEM Programm….. Da verbringe ich die Zeit lieber in meinem eigenen Gärtchen und tue hier was ich kann für Schmetterling und co.
    Liebe Grüße,
    Krümel

  • Urte Elfenrosengarten

    Liebe Sigrun,
    das ist ja cool!
    Ja, das stimmt – euer Bürgermeister hat Recht –
    verbieten ist nicht immer der richtige Weg? Eine tolle Aktion
    habt ihr da und sie wird zum Umdenken anregen.
    Was ich auch viel besser finde!
    Ganz viele liebe Grüße von Urte

  • Sara - Mein Waldgarten

    Eine schöne Landschaft ist das bei Euch, liebe Sigrun! Schade, dass die Blühfläche mittlerweile verschwunden ist. Solche „wilden“ Blühflächen gibt es hier auch immer mal für einige Zeit. Meist nicht dauerhaft. Wir haben in Braunschweig z.B. einen Magerrasen, der Pflegeaufwand ist sehr hoch. So kommt das, wenn man solche Flächen wegen Autobahnbau & Co. an andere Orte verlagert, da wo sie ursprünglich waren, regelte die Natur das von selbst. 😉

    Ich fürchte, einige Leute werden sich standhaft weigern, ihre Schotterflächen zu bepflanzen und dann noch mit Wildem. 😉 🙂 Heute haben wir auch wieder so einige steinerne „Gärten“ gesehen. Allerdings auch erstmals in Nähe eines Kindergartens ein Stück „wilder“ Wiese, das speziell dort ausgesät wurde. Sowas freut einen dann doch! Aber ich vermisse blühende Randstreifen an den Äckern. In unserem Landkreis ist das besonders extrem, da wird nichts Wildes geduldet. 😉 Beim vorigen Wohnort sieht das doch ein wenig anders aus.

    Freut mich auch sehr für Dich, dass Du dort eine Aufgabe und Heimat für Dich gefunden hast.

    Liebe Grüße
    Sara

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