Rezension

Mein WABI SABI Garten von Annette Lepple – Buchvorstellung

Du kannst keine alten Möbel wegwerfen und pflanzt Hauswurze in Stühle ohne Sitzkissen? Dein Staudenbeet, das du perfekt durchgeplant hast, macht auf einmal was es will und wird von Sämlingen überwuchert? Und an allen möglichen Stellen keimen plötzlich Königskerzen? Wo kommen denn die Akeleien plötzlich her?
Wenn du dich jetzt noch entspannt zurücklehnen kannst, hast du bestimmt schon den perfekten umperfekten Wabi Sabi Garten und weißt es nur noch nicht. So ging es mir jedenfalls beim Lesen von Annette Lepples Buch:

Mein Wabi Gabi Garten, das Anfang 2020 im Ulmer Verlag erschienen ist. Es geht um respektvolles Gestalten und achtsames Genießen eines Gartens und den Weg zum perfekt unperfekten Garten.

Wabi Sabi ist ein Prinzip, das sich ursprünglich aus dem Zen-Buddhismus und der japanischen Teezeremonie entwickelte und nichts zum Essen, denn unweigerlich fällt einem die für Sushi so beliebte Wasabi-Paste ein. Wabi Sabi ist eine Weltanschauung, geprägt von Ruhe, Respekt, Reinheit und Harmonie. Annette Lepple hat dieses Prinzip zum ersten mal auf den Garten übertragen.

Irrwege des Gärtners

Die Autorin berichtet im Buch über ihre eigenen Irrwege in der Gartengestaltung, bis sie eine entspannte Wabi-Sabi-Gärtnerin wurde. Sie versuchte sich erfolglos in Irland an dem perfekten englischen Rasen, Rhododendron-Büschen und Rosen, die mit dem feuchten, irischen Klima gar nicht zurecht kamen und dann schon im Sommer völlig entlaubt dastanden.
Kommt dir das auch bekannt vor? Mühst du dich noch damit ab, ja kein Unkraut oder Moos im Rasen wachsen zu lassen?
Das typische deutsche Bedürfnis nach dem perfekten Rasen lässt tausende Gärtner Woche für Woche im Sommer stöhnen. Einige greifen sogar verzweifelt zur Chemie. Den perfekten Rasen, den muss es doch geben!


Diesen Gärtnern möchte ich unbedingt dieses Buch ans Herz legen. Es ist der Schlüssel zum Glück und zu einem entspannteren Leben. Einfach mal wachsen lassen und nicht überall in den Beeten ständig Unkraut jäten, wie es noch in alten Gartenratgebern steht. Auch das Kürzen der Stauden im Herbst können wir uns getrost sparen. Wenn man es schon nicht wegen der Tierwelt im Garten sein lässt, dann bieten verblühte Samenstände doch im Winter auch wundervolle Strukturen im Garten. Gräser wiegen sich im Wind und bieten einen Rahmen für abgeblühte Sonnenhüte oder Brandkraut-Kugeln.

© Annette Lepple, Ulmer Verlag

Vielfältig und individuell gärtnern

Ist es nicht furchtbar langweilig, wenn ein Garten aussieht wie aus dem Hochglanz-Gartenmagazin? Oder muss es jetzt unbedingt schon wieder eine neue Hosta im Garten mit Weinbauklima sein? Nur weil die Gartenfreundin aus dem Norden mit dem tollen feuchten Klima gerade ihr hundertstes Exemplar in der Sammlung hat?

Lehne dich zurück und nimm einen Zettel und Stift, um aufzuschreiben, was bei dir ganz toll ohne großen Pflegeaufwand wächst. Studiere deine Pflanzen und vielleicht auch das Klima und die Tiere. Es wird ein sehr individuell gestalteter Garten, wenn Naturmaterialien verwendet werden, wie Stein, Holz, Metall, und Stoffe. So ist ein wunderbares Wabi Sabi-Gestaltungselement ein Kastanien-Staketenzaun, der bestimmte Gartenbereiche abtrennt. Oder eine Trockensteinmauer, über die malerisch verschiedenste Polsterstauden hängen.

© Annette Lepple, Ulmer Verlag

Wildnis im Garten

Legt man einen Garten an, hat man die Wahl, ihn so steril und sauber zu gestalten, dass sich vermutlich kaum ein Gartentier einfinden wird oder man lässt ein bisschen Wildnis zu, wie ein ungemähtes Stück Blumenwiese oder einen Stapel mit Totholz oder ein Laubhaufen. Dann werden sich vermutlich mit der Zeit die verschiedensten Käfer, Spinnen, Wildbienen, Vögel und anderes Getier einstellen. Ist es denn nicht fantastisch, beim Kaffee unterm alten Apfelbaum zu sitzen und Schmetterlinge zu beobachten?

© Annette Lepple, Ulmer Verlag

Viele Wege führen zu Wabi Sabi

Annette Lepple gibt aus ihrer gärtnerischen Erfahrung Beispiele für besonders geeignete Pflanzen, die zum Wabi Sabi Garten gehören könnten. Bäume, die besondere Formen annehmen oder Pflanzen mit besonderen winterlichen Strukturen und dann sind da ja noch die ein- und zweijährigen Vagabunden, die den Garten so spannend und abwechslungsreich erscheinen lassen. Besonders robuste Pflanzen sind in einer Tabelle aufgelistet. Speziell für Neuanlagen von Gärten eine schnelle Möglichkeit zu einem blühenden Garten zu kommen


Mein Fazit: Ein empfehlenswertes Buch für alle, die noch unter Zeitnot leiden, weil der Garten so gepflegt und ordentlich aussehen soll, wie das Haus. Ein Buch für entspanntes Gartenglück und mehr Zeit zum Lesen von Gartenbüchern.

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7 Comments

  • nina. aka wippsteerts.

    Ha, ganz meines. In den ersten Jahren habe ich auch oft am Standort und Boden vorbei gepflanzt und war oft enttäuscht. Aber was ich schon von meiner Mutter gelernt hatte, zu warten, was aus Sämlingen wird. Und dementsprechend war das dann irgendwann insgesamt mein Lehrer, wo was gedeihe kann.
    Traumhaft, wie es jedenfalls der Autorin gelungen ist lt Fotos.
    Noch ein gutes neues Jahr wünsche ich und liebe Grüße
    Nina

  • Elke Schwarzer

    Hallo Sigrun,
    ich hatte es ja schon vor ungefähr einem Jahr auf meinem Blog vorgestellt und fand auch, das ist genau MEINE Art zu gärtnern. Schön, wenn das jetzt einen Namen hat. 😉
    Viele Grüße
    Elke

  • Barbara Gerlach

    Liebe Sigrun,
    das hört sich nach einem Buch an, welches viele Gartenbesitzer lesen sollten.
    Da finde ich mich absolut wieder. Solche Gärten sind spannend und nie langweilig.
    Liebe Grüße
    Barbara

  • Kirsi

    Liebe Sigrun,
    der Name Wabi Sabi ist mir von den japanischen Teeremonien her bekannt. Mein Mann hat mir einmal eine schöne Teekanne geschenkt und dann habe ich mich mit verschiedenen Zeremonien beschäftigt. Das dies nun auch im Garten angewendet wird findet meine volle Zustimmung 😉 Ich gebe es ganz ehrlich zu, ich bin auch zu bequem ständig Unkraut etc. zu zupfen und alleine wegen unserer Hunde wird es wohl keinen englischen Rasen geben (zum Glück). Ich freue mich wenn etwas wächst (auch wenn ich nicht weiß was es ist) und freue mich an den Gartenbesuchern.
    Danke für die Vorstellung des Buches – ich weiß auch schon wem ich das empfehlen werde 😉
    Liebe Grüße
    Kirsi

  • kleiner-staudengarten

    Hallo Sigrun,
    ein tolles Buch, das wohl jedem Gärtner*in ans Herz zu legen ist. Wie langweilig ein steriler Garten doch ist und lässt man ihn ein wenig gewähren, malt er die zauberhaftesten Bilder. Danke für deine Buchvorstellung und diese Art zu gärtnern und ein wenig mit ordnender Hand einzugreifen…wenn Lerchensporn und spanisches Gänseblümchen die Herrschaft übernehmen wollen 😉 ….ist genau meins.
    Ich wünsche dir noch alles Gute und vor allem Gesundheit für das Jahr 2021 – lieben Gruß, Marita

  • Wolfgang Nießen

    Das hört sich wirklich nach einem sehr interessanten Buch an, denn an so einigen Stellen im Text habe ich mich wiedererkannt.
    Ich wünsche Dir noch eine schöne Restwoche.

    Viele liebe Grüße
    Wolfgang

  • Rosi

    hach.. das klingt sehr gut
    und die Bilder sind wunderschön..
    mein Garten ist allerdings zu winzig dazu
    die Wildnis hat die Enkelin übernommen..
    da muss ich mich raushalten
    und bei meinem Vater stehen die alten Rosen
    da müsste ich unbedingt mal wegschneiden
    denn sie sind jahrelang nicht geschnitten worden

    mal sehen was das neue Jahr bringt 😉

    liebe Grüße und noch ein frohes neues Jahr

    Rosi

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