Gastl Permakultur
3-Zonen-Garten

Permakultur & Naturgarten von Markus Gastl

Nachhaltig gärtnern mit dem Drei-Zonen-Modell /Rezension


Es fing 2015 in einem kleinen Lesecafè in der Freiberger Poststraße an. Während meine Freundin begeistert in den neusten Krimis blätterte, hatte ich für mich das Gartenbuchregal entdeckt. Ich zog ein Buch mit festem Einband heraus, das mich sofort begeisterte.

Vielfalt, Schönheit, Nutzen….wer will das nicht? Es machte neugierig auf mehr. Es führte dazu, dass ich nun einen eigenen Garten im Hortus-Netzwerk unter dem Namen Hortus Floridus Montis habe und mich über den regen Austausch dort per Facebook, Instagram oder im echten Leben freue. Dieser Griff ins Regal hat mein ganzes Gärtnerleben auf den Kopf gestellt. Auch wenn ich schon immer am insektenfreundlichen Garten interessiert war.

Nun hat Markus Gastl sein drittes Buch herausgegeben. Es entstand hauptsächlich aufgrund seiner Erfahrung in seinen eigenen zwei Gärten im Landkreis Ansbach (Mittelfranken), die ich 2017 im Sommer auf einer Führung besichtigen durfte. Einer davon ist der Hortus Insectorum, der andere nennt sich Hortus Felix, den er zusammen mit seiner Frau Gerlinde angelegt hat.

Vor kurzem hörte ich mir seinem Vortrag über den 3-Zonen-Garten im fränkischen Weisendorf an und hatte auch die Gelegenheit, im neusten Buch zu blättern. Damit war für mich klar, dass es auf den Blog gehört und rezensiert werden muss.

Markus hat vor Jahren nach seiner Radtour von Feuerland nach Alaska, das Versprechen abgegeben, der Natur etwas zurück zu geben. Seine größte Motivation entstand aus seiner Leidenschaft, dem Reisen in ferne Länder. Viel Zeit zum Nachdenken hatte Markus auf dieser endlos langen Strecke per Rad und es schärfte seinen Blick für das Kleine, vermeintlich unbedeutende und ihm wurde bewusst…….‚wir sind Teil dieser unendlich vernetzten Welt‘.

© Markus Gastl

Nach 2,5 Jahren und über 42.000 km per Rad (das mache ihm erstmal jemand nach…) fasste er einen Entschluss, etwas grundlegend zu verändern und verwirklichte seinen Traum, im Einklang mit der Natur Nahrung zu produzieren und dabei die Natur zu schützen.

Er gestaltete seinen fränkischen, bisher traditionell bewirtschafteten Acker zu einer Magerwiese um und entwickelte ein Konzept, wie man nachhaltig mit den 3 Zonen, Pufferzone, Hotspotzone und Ertragszone gärtnern kann, So entstand die Hortus-Idee.

Das Versprechen…zurück zu meinen Wurzeln auf meinem eigenen Land, das wollte ich tun. Mich einsetzen für die Insekten, die Pflanzen, die Unscheinbaren und die Kleinen, die doch letztendlich das große Ganze bestimmen und ausmachen.

Markus Gastl
© Markus Gastl, Ulmer Verlag

Das neue Buch, das 2018 im Ulmer Verlag erschienen ist, erklärt das Prinzip des nachhaltigen Gärtnern im 3-Zonen-Garten, in dem nichts von außen rein kommen soll und auch nichts nach außen abgegeben werden soll. Toll, wie man von Markus auf eine einsame Insel entführt wird, in der man sich auf einmal selbst versorgen muss, um zu überleben. Besser kann man das Prinzip dieses Gartenkonzeptes gar nicht erklären. Die Grafik auf Seite 31 ist wunderbar und passend zum Hortus-Gedanken..

Nachhaltiges Gärtnern auf einer einsamen Garteninsel © Mr.Stampfer

Es gibt zahlreiche Anregungen, wie man die 3 Zonen im Garten gestalten kann. Tolle Abbildungen bzw. Grafiken der sogenannten ‚Superbeete‘, die ich auch bei meiner Gartenführung fotografieren durfte. Wir lernen Kraterbeete, Vulkanbeete oder das Schlüssellochbeet (keyhole-Beet) kennen. Schon habe ich Pläne im Kopf, wie ich das im eigenen Garten umsetzen kann. Kam ich doch diese Woche an einem ungenutzten Grundstück mit Bergen von gebrauchten Dachziegeln vorbei. Wenn ich die geschenkt bekommen würde….das wäre traumhaft.

Zum nachhaltigen Gärtnern und Permakultur gehört auch, den Tiermist zur Humusunterstützung bzw. zum Düngen im Garten zu belassen. Die Steigerung bzw. wenn man sowieso keinen Anschluss ans Abwassersystem hat, ist die eigene Komposttoilette. Also ehrlich, früher war das absolut üblich, damit den Garten zu düngen. Wir haben so viele Dinge verlernt, die nützlich wären. Danke an Markus für die vielen Anregungen aus vergangenen Zeiten.

© Markus Gastl, Ulmer Verlag
© Sigrun Hannemann/ Markus Gastl 2017 im Hortus Felix

Sehr schöne Beiträge gibt es zu den Naturmodulen, die den Naturgarten zu einer Wohnung für alle, auch die Tier- und Insektenwelt, macht. Man kann hier mehr über sinnvolle Nisthilfen, Sandarium, Holzkeller und Wurmfarm erfahren.

© Sigrun Hannemann/ Nisthilfe (2017 im Hortus Felix)

Gestaltend wirken im Naturgarten Elemente wie eine Wurzelskulptur, Schlüssellochbeet oder Steinpyramide, die eine dritte Dimension im Hortus bilden und auch auf dem Buchcover zusammen mit dem Blau des Natternkopfes alle Blicke auf sich ziehen.

© Sigrun Hannemann/ Keyhole-Beet (2017 im Hortus Felix)
© Markus Gastl/ Grafik Keyhole-Beet, Ulmer Verlag

Im letzten Drittel stellt Markus uns verschiedene Hortus-Gärten vor. Anhand von Fotos und Gartenplänen kann man sich hier weitere Anregungen zur eigenen Gartengestaltung holen. Die Grafiken enthalten eine Übersicht der 3 Zonen und der verwirklichten Superbeete mit Legende. Das schaue ich mir auf jeden Fall noch mal in Ruhe an.

© Sigrun Hannemann/ neu angelegtes Kraterbeet (2017 im Hortus Felix)

Abschließend, wie bei Ulmer üblich, finden wir den Service-Teil, mit Adressen von Gärtnereien, die Naturschönheiten anbieten und unseren Hortus bereichern können.

Fazit: Mit diesem Buch halten wir einen Ratgeber zum nachhaltigen Gärtnern in den Händen, den sich kein Gärtner mit insektenfreundlichen Absichten entgehen lassen sollte. Markus Gastl zeigt, worauf es beim „hortanen“ Gärtnern ankommt und wie man die Welt damit ein Stückchen besser machen kann.

Das biegsame Flexcover ist ansprechend gestaltet und ermöglicht, dass das aufgeschlagene Buch gut liegen bleibt. Das Buch enthält einen tollen Mix aus Fotos und Grafiken. Mit der Gestaltung der Grün umrandeten Bereiche, in denen Markus bestimmte Begriffe erklärt, damit der Leser den Text besser versteht, kam ich nicht so gut zurecht. Mein Auge sprang immer wieder hin und her und ich konnte mich nie richtig auf den Text konzentrieren. Manchmal wurde der Fließtext abrupt durch den grün eingerahmten Bereich unterbrochen. Hier hätte ich mir eher einen farblich gestalteten Kasten mit diesen Begriffen am Ende des jeweiligen Artikels vorstellen können, um die Übersicht über den Fließtext zu bewahren.

Markus Gastl ist Gründer des Hortus-Netzwerkes, Buchautor, Naturschützer und Visionär. 2007 gründete er „Hortus Insectorum“ als ersten Garten seiner Art in Beyerberg, Mittelfranken. 2014 folgte sein zweiter Garten „Hortus Felix“. Für sein Engagement wurde er 2018 mit der „Bayerischen Staatsmedaille“ ausgezeichnet. Sie ist die höchste Auszeichnung, die der Bayerische Staat für „herausragende Verdienste um die Umwelt“ zu vergeben hat. Markus Gastl veranstaltet regelmäßig öffentliche Führungen durch seine Gärten. Kann ich nur empfehlen und werde dieses Jahr wahrscheinlich nochmal bei der Führung mit der BUND/ Ortsgruppe Röttenbach/Hemhofen dabei sein. Ich freue mich schon drauf.

Über nachfolgenden Bildlink* (klick aufs Bild) kannst du das Buch direkt bestellen oder beim Lieblingsbuchhändler um die Ecke.

Markus Gastl, Permakultur und Naturgarten. Nachhaltig gärtnern mit dem Drei-Zonen-Modell. Markus Gastl. 2018. 168 S., 120 Farbfotos, Flexcover. ISBN 978-3-8186-0515-5. € 26,95

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Das folgende Buch war das erste Buch über den 3-Zonen-Garten.

Hier gehts zum 3-Zonen-Garten von Markus Gastl

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11 Comments

  • Eva

    Wow Sigrun,
    nun hast du schon wieder umgestellt. :-))

    Das Buch ist bestimmt für Liebhaber sehr interessant, aber für mich weniger.
    Radeln in dem Maße, klasse. Aber Herr Gastl hat gezeigt, dass man da schon was bewirken kann und nicht alles mit Auto und Flugzeug machen muß. Klasse!

    Magerwiesen, ja das ist eine schöne Sache, das Leudelsbachtal ist hier ja sehr gut dabei.
    Da wird immer wieder ein Stück zu einer Magerwiese umgestaltet. Deshalb ist es wohl ein ganz einzigartiges Tal.

    Ich freue mich so auf die vielen Insekten und Blumen. Vorher bin ich mit dem Rad durchgefahren, aber es ist noch nichts zu sehen.

    Eine sehr schöne Rezension, vielen Dank dafür.

    Als ich nach Hause kam, hatte ich einen Brief der Gemeinde im Briefkasten. Sie bieten mir ein 134 qm Gartengrundstück usw. an. Ich wußte zuerst gar nicht warum, dann ich mir eingefallen, dass ich mich vor 10 Jahren mal beworben hatte und da vergessen habe. Nun ist wohl was frei und ich bin aufgrund der Warteliste dabei.
    Aber ich werde dankend drauf verzichten, ich käme ja gar nicht mehr zum radeln und anderen Dingen.
    Ich brauch das wirklich nicht mehr. Was mich damals bewogen hat mich zu bewerben, weiß ich beim besten Willen nicht mehr.

    Lieben Gruß Eva

  • Karen Heyer

    Liebe Sigrun,
    das kommt gerade passend, weil ich das tolle Buch gerade wieder vor meiner Nase habe. Geplant sind dieses Jahr Sandarium, Eidechsenkeller mit Steinpyramide und vielleicht noch ein Käferkeller. Das Keyholebeet will fertiggestellt werden (Material zum Flechten erst wieder im Herbst, wenn ich mit dem NABU Kopfweiden schneiden gehe) . Gestern habe ich von Daniel ein Paket mit Minitipp-Broschüren bekommen, die will ich seitenweise laminieren und hier zur Info aushängen.
    Im gestrigen Post habe ich mein Schlüssellochbeet im Bau erwähnt, das warf einige Fragen auf. Wenn ich es erkläre, verlinke ich gerne hierher.
    Deinen Besuch im Hortus Felix neide ich Dir ein wenig.
    Liebe Grüße
    Karen

  • Elke Schwarzer

    Hallo Sigrun,
    die Insektenhotels auf den Fotos sehen alle sehr gut aus. So viele Strangfalzziegel, viel besser als hohle Ziegel. Du hast das Glück, den Garten sogar schon besucht zu haben, da bin ich ganz neidisch.
    Ich war gestern in der Buchhandlung, aber ich muss sagen, mit den neuen Ulmer-Büchern sah es mau aus. Meine waren auch immer noch nicht da.
    VG
    Elke

  • kleiner-staudengarten

    Hallo Sigrun,
    vom Hortus Insectorum und seinem Gärtner habe ich schon gehört, doch die Chance leider verpasst als die Staudenfreunde u. a. diesen vor zwei Jahren besucht haben. Doch das vorgestellte Buch lässt schon mal schöne Einblicke und Informationen zu. Die Insektenhotels sind beeindruckend.
    Liebe Grüße und ein feines Wochenende, Marita

  • Traude "Rostrose"

    LIebe Sigrun,
    für Permakultur habe ich mich nach dem Film „Tomorrow“ zu interessieren begonnen. Ob wir es hier schaffen, einen garten nach diesesm Prinzip anzulegen (auch im Hinblick auf unsere eigenen körperlichen Grenzen) weiß ich noch nicht, doch die Anregungen, die das Buch bietet, werde ich mir vermutlich nicht entgehen lassen…
    LG nochmal und danke für den Tipp,
    Traude

  • Arti

    Hallo Sigrun,

    wenn ich mir die Bilder so ansehe, hat Herr Gastl ja einen riesengroßen Garten. Unserer ist mit knapp 1200qm zwar nicht klein aber in der gezeigten Größe lässt sich da wohl nicht viel umsetzen.
    Vielleicht werde ich das Buch selber mal durchblättern, evtl. finden sich ja doch noch schöne umsetzbare Ideen. Bin ja für alles offen.

    Ganz herzliche Sonntagsgrüße
    Arti

    • Sigrun

      Liebe Arti,
      1200 qm sind eine ganze Menge und allerbeste Voraussetzungen für einen Hortus.
      Soll ich dir mal was sagen….der kleinste Hortus besteht aus 3 Töpfen, die auf den Balkon passen …;-)
      LG Sigrun

  • Sara - Mein Waldgarten

    Hört sich gut an – wir hatten auch mal die Idee vom Selbstversorgerleben, hat bei uns leider nicht funktioniert. Aber kein Wunder mit 3 kleinen Kindern damals und alten/kranken Eltern, die mit zu versehen waren … der junge Mann hat vielleicht (noch?) keine Familie.

    Liebe Grüße
    Sara

  • bahnwärterin

    was wird im kraterbeet angebaut? split für den zufahrtsweg???
    ;-P
    ehrlich – mir ist das alles zu vermatzelt. kapiere nicht warum man nicht einfach simple beete, kompostwirtschaft, ein paar unaufgeräumte gartenecken und möglichst wenig architektur machen kann? dieses ganze geraffel auf den fotos finde ich furchtbar.
    und trotzdem habe ich diverse bestien in meinem garten – auch viele seltene wildbienen. hasel- &waldmäuse, hermelin und eidechsen wohnen hier (trotz katze!). alle möglichen piepmätze.
    und das obwohl ich sogar meine hecken in form schneide ;-DDDD
    xxxx

    • Sigrun

      Um das zu verstehen, müsste man das ganze Buch erklären…;-) Das sprengt hier leider den Rahmen.

      Das Kraterbeet, wie oben, dient den Magerblümchen zum Überleben….also Wildblumen bzw. Sedum oder trockenheitsverträgliche Gewächse. Durch den Kratereffekt wird dort ein besonderes Klima erzeugt und die Pflanzen sind vor Kälte und Nässe geschützt. Der Schotter fängt zusätzlich Wärme ein und verhindert, dass sich Pflanzen aus der Fettwiese, wie Löwenzahn, ansiedeln. Das Kraterbeet sieht inzwischen sicher schon super aus, denn das war ein Foto, kurz nach der Entstehung…alles braucht seine Zeit, wenn man auf natürliche Besiedelung wartet….;-) Die Ziegelsteine sehen lustig aus…da stimme ich zu. Aber jeder hat eben so seine Macken und die Hohlräume bieten Unterschlupfmöglichkeiten für Insekten/ Eidechsen und co.

      Natürlich sind das alles nur Anregungen und keiner muss das nachmachen, nur um einen naturnahen Garten zu haben. Das beweist du ja gerade mit deinem Garten. Und auch eine in Form geschnittene Hecke bietet Lebensraum für Tiere…hatten wir in Freiberg auch…;-)
      VG Sigrun

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